Dezember 4, 2015 – 22 Kislev 5776
Der jüdischen Filmemacher der Weimarer Republik

image

Die Juden bei der UFA in den 20er und 30er Jahren  

  • Dezember 4, 2015 – 22 Kislev 5776
  • Geschichte
  • 1282 mal gelesen

Von Ulrike Stockmann

Wenn man sich die heutige Filmindustrie Deutschlands so ansieht, kommt man nicht umhin, sich zu fragen, ob diese den imposanten Namen „Industrie“ überhaupt noch verdient. Die hauseigenen Produktionen, die hierzulande in die Kinocharts kommen, gehen kaum über unterhaltsames Mittelmaß hinaus. Auch wenn Deutschland sich in den letzten Jahren überraschenderweise mit Komödien gut platzieren konnte, bleibt die Frage, was nach der Kinolaufzeit von ihnen bleibt.

Innovativere Konzepte oder anspruchsvolle Kunstfilme werden höchstens von versierten Kreativen angestrebt, die jedoch in den seltensten Fällen eine Förderung erhalten und daher ihre Projekte – wenn diese denn realisiert werden – höchstens als Low- oder No-Budget-Filme in kleinen Kinos zeigen können, wo sie dann kaum einer ansieht.

Daher ist es heutzutage fast unmöglich sich vorzustellen, dass es eine Zeit gab, in der die deutsche Filmindustrie weltweit so anerkannt und einflussreich war, dass sie Standards setzte und eine ernsthafte Konkurrenz zu Hollywood darstellte. In jener Epoche schufen Visionäre in Deutschland Werke, die buchstäblich Filmgeschichte schrieben, international von sich reden machten und bis heute symbolisch mit der „Goldenen Zeit“ des Kinos verbunden blieben: Man denke nur an eine Marlene Dietrich, die sich 1930 als „Blauer Engel“ verrucht in Strapsen auf einem Fass räkelt. Oder an Brigitte Helm, die 1927 die „Roboter-Maria“ im Monumentalfilm „Metropolis“ verkörpert, und in der berühmten Schlüsselszene sich von einer Maschine in eine verführerische Femme Fatale verwandelt.

Das Kino der Weimarer Republik vermochte es, ästhetisch und inhaltlich innovative und zugleich massentaugliche Filme zu schaffen. Der Beitrag, den Deutschland dabei leistete, ist verschiedenen Protagonisten und Protagonistinnen zu verdanken. Bekanntlich hatte die Zeit, in der künstlerische Kino-Experimente möglich waren, mit der Machtergreifung der Nazis 1933 in Deutschland ein vorläufiges Ende. Der politische Wind drehte sich und damit wurde die Luft für einige Kunstschaffende sehr dünn. Viele kreative Koryphäen mussten in die Emigration fliehen. Zahlreiche dieser Künstler waren Juden. Prozentual betrachtet war bis zu diesem Zeitpunkt der jüdische Anteil am deutschen Film bzw. der deutschen Kunstszene erstaunlich hoch. Einige der herausragendsten Künstler waren jüdischer Herkunft und ihr Beitrag zur deutschen (Kino)Kultur wird wohl häufig zu geringgeschätzt. Nicht umsonst herrscht dennoch die Meinung, dass speziell der deutsche Film sich nie von diesem Aderlass an Begabten erholt hat. Die schwache deutsche Filmindustrie von heute, ohne Stars und ohne Esprit, ist unter anderem eine späte Folge der Vertreibung jüdischer Filmschaffender aus Deutschland im Dritten Reich.

Der „Blaue Engel“
Betrachten wir als Beispiel für deutsch-jüdisches Kino Marlene Dietrich und ihren ersten großen Filmerfolg mit der Hauptrolle im „Blauen Engel“. Dieses Werk gilt als eines der wichtigsten Produktionen der Filmgeschichte. Bekanntlich war Marlene selber keine Jüdin. Viele, die an diesem Film und damit am Aufstieg der Dietrich beteiligte waren, jedoch schon. (…)

Komplett zu lesen in der Druck- oder Onlineausgabe der Zeitung. Sie können die Zeitung „Jüdische Rundschau“ hier für 39 Euro im Papierform abonnieren oder hier ein Onlinezugang zu den 12 Ausgaben für 33 Euro kaufen.


Sie können auch diesen Artikel komplett lesen, wenn Sie die aktuelle Ausgabe der "Jüdischen Rundschau" hier online mit der Lieferung direkt an Sie per Post bestellen oder jetzt online für 3 Euro statt 3,70 Euro am Kiosk kaufen.

Brief an die Redaktion schreiben