Mai 11, 2016 – 3 Iyyar 5776
Der Großmeister des subversiven Witzes

image

Der Komiker Sacha Baron Cohen im Porträt  

Von Monty Aviel Ott

An seinen Filmen scheiden sich die Geister. Berechtigterweise – sind sie doch eine Gradwanderung zwischen Zynismus, einem düsteren Humor und teilweise dem bewussten Überschreiten des guten Geschmacks. Er ist der Großmeister skandalöser Blockbuster, der aber auch immer wieder einen Hang zu kultivierten Rollen besitzt. Die Rede ist von niemand geringem als: Sacha Baron Cohen.

Am bekanntesten sind wahrscheinlich die Rollen, die er sich praktisch selbst auf den Leib geschnitten hat. Sie tragen so klangvolle Namen wie Ali G, Borat, Brüno oder Admiral General Aladeen. Seine Geschichte begann allerdings nicht mit großem Pomp, sondern relativ durchschnittlich und zwar im Londoner Stadtteil Hammersmith. Hier wuchs er mit seinen Brüdern Gerald und Erran Baron Cohen Amnon in einer ganz mittelständischen jüdischen Familie auf. Der Vater war in der Modebranche aktiv, genauer führte er einen Kleiderladen am Piccadilly Circus. Während der väterliche Ursprung in Wales liegt, war die Mutter, Daniella Weiser, eine Sabra mit iranischen Wurzeln. Sacha zeigte bereits im frühen Alter, dass er ein ungeheures Potenzial in sich barg. Während er seine Jugendzeit in der exklusiven Haberdashers’ Ake’s Boys’ School und bei der sozialistisch-zionistischen Jugendorganisation Habonim Dror nahm er an einem Aufsatzwettbewerb in der Tageszeitung „Times“ teil. Er gewann mit seinem Essay, weil er mit enormer Sprachgewandtheit die korrekte Verwendung der englischen Sprache anmahnte. Habonim Dror stärkte nicht nur seine Bindung zu Eretz Israel, sondern gab ihm auch die Möglichkeit in der eigenen Theatergruppe erste Schauspielerfahrung zu sammeln. Neben diese Aktivitäten übte er sich in Breakdance, womit auch seine tiefergehende Verbindung zur Hip-Hop-Szene entstand. Diese Verbindung wird, wie wir noch sehen werden, noch eine Rolle in seinem Leben spielen.

Nach dem College sollte er allerdings erst einmal seine Verbindung ins Heilige Land vertiefen: Er verbrachte ein Jahr in Israel und arbeitete währenddessen im Kibbuz Rosh ha Nikra. Nach diesem Jahr im Heimatland seiner Mutter, kam Sacha nach Großbritannien zurück und wurde an der altehrwürdigen Cambridge University im Fach Geschichte immatrikuliert – wo sein Vetter Simon Baron Cohen heute (ganz nebenbei bemerkt) dem Autismus-Forschungszentrum als Direktor vorsteht. Während seiner Universitätszeit vertiefte Baron Cohen seine Schauspielleidenschaft in Aufführungen wie Cyrano de Bergerac und Fiddler on the Roof. Dort lernte er auch Dan Mazer kennen, seinen späteren Autoren und Produzenten. Eine Studienfahrt in die USA im Jahr 1992 hinterließ tiefe Spuren bei ihm, traf er dort doch Robert Parris Moses, einen amerikanischen Bürgerrechtler, der ihn zu seinem Abschlussthema inspirierte: „The Black-Jewish Alliance: A Case of Mistaken Identity“. Innerhalb seiner Abschlussarbeit analysierte er die Kulturen und wechselseitige Zusammenhänge von Afroamerikanern und Juden, sowie deren Stellung in der Bürgerrechtsbewegung der 1960er-Jahre.

Nachdem er sein Studium mit einer Note von 2,1 beendet hat, schien er vorerst einen anderen Weg gehen zu wollen und arbeitet 1994 als Model. Seitdem rückte sein Privatleben vermehrt in den Hintergrund, man weiß aber, dass er mit der australischen Schauspielerin Isla Fisher verheiratet ist, die für ihn eine Konversion gemacht hat. Auch Sacha selbst ist bis heute praktizierender Jude. In der Studienzeit hatte Baron Cohen bereits kleinere Filmrollen ergattert, entschied sich allerdings nach dem Studium für eine Laufbahn als Komiker. Diese Entscheidung brachte ihn und seinen Bruder regelmäßig in einen Comedy-Club in West Hampstead, einen Londoner Stadtteil. Der fiktive Charakter Brüno wurde dann Baron Cohens erste kleinere Rolle. Den schwulen, österreichischen Modejournalisten Brüno gab Sacha in dem „Paramount Comedy Cable Channel“. Über mehrere kleine Auftritte kam Baron Cohen schließlich an Harry Thompson, der sich für Sachas Humor begeistern konnte. (…)

Komplett zu lesen in der Druck- oder Onlineausgabe der Zeitung. Sie können die Zeitung „Jüdische Rundschau“ hier für 39 Euro im Papierform abonnieren oder hier ein Onlinezugang zu den 12 Ausgaben für 33 Euro kaufen.


Sie können auch diesen Artikel komplett lesen, wenn Sie die aktuelle Ausgabe der "Jüdischen Rundschau" hier online mit der Lieferung direkt an Sie per Post bestellen oder jetzt online für 3 Euro statt 3,70 Euro am Kiosk kaufen.

Brief an die Redaktion schreiben

Email This Page