September 5, 2015 – 21 Elul 5775
„Der Golem“ von Gustav Meyrink

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Von Florian Hunger

Es gibt kaum ein anderes Buch, das so untrennbar mit der Topografie einer Stadt verbunden ist wie Gustav Meyrinks meisterhafter Schauerroman „Der Golem“ mit der tschechischen Metropole und ihrem historischen Ghetto.

Was der Pragtourist heute als immer noch beeindruckendes Jüdisches Viertel zu sehen bekommt, hat allerdings nur noch wenig zu tun mit der sogenannten Judenstadt, die sich seit dem 13. Jahrhundert auf diesem Areal unkontrolliert ausgebreitet hatte und aufgrund der beengten Verhältnisse für die Behörden zu einem zunehmend untragbaren sozialen Brennpunkt geworden war. Ab 1885 begannen die Behörden das Viertel wegen der katastrophalen hygienischen Bedingungen bis auf wenige unersetzliche Baudenkmäler niederzureißen.

So verschwanden innerhalb eines Jahrzehnts die zahlreichen windschief ineinander verbauten und merkwürdig aneinander gedrückten charakteristischen Elendsquartiere endgültig aus dem Prager Stadtbild, denen Meyrink in seinem dem Expressionismus nahestehenden Roman ein so eindrucksvolles und plastisches Denkmal gesetzt hat. Es ist eine seltsame Ironie der Geschichte, dass die architektonischen Zeugnisse jüdischen Lebens in der Josefstadt ausgerechnet deshalb erhalten geblieben sind, weil die Nazis hier eine Art von „Museum einer untergegangenen Kultur“ zu errichten planten. (…)

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