Oktober 5, 2015 – 22 Tishri 5776
Der erste jüdische Minister in Deutschland

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Moritz Ellstätter – Finanzminister von Baden  

Von Monika Winter

Vor der Weimarer Republik kam es nur ein einziges Mal vor, dass in Deutschland ein Jude Mitglied einer Regierung wurde. Moritz Ellstätter wurde am 11. März 1827 in Karlsruhe geboren und verstarb am 14. Juni 1905 im Alter von 78 Jahren. In den langen Jahren, als Präsident des Finanzministeriums des Staatshaushaltes und als späterer Finanzminister von Baden hielt Ellstätter an seinem Judentum fest. Er konnte damit den Feinden des Judentums entgegentreten und unter Beweis stellen, dass ein Jude sehr wohl für diese gehobene Position fähig ist.
In einem Artikel der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 19. Februar 1868 war zu lesen: „Karlsruhe. Unser Glaubensgenosse, Herr Ministerialrath Ellstädtter von Karlsruhe, wurde zum badischen Finanzminister ernannt.“

Ausführlicher berichtet „Der Israelit“ in einem Artikel vom 26. Februar 1868:
„Karlsruhe, den 13. Februar. Eine Neuigkeit durchläuft unsere Stadt und bildet ausschließlich das Tagesgespräch. Ein Israelit ist zum Präsidenten des Finanzministeriums ernannt worden. Moritz Ellstätter, der Sohn eines hiesigen Möbelhändlers und Schwager des Rabbiners Willstätter, ist in der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre geboren, studierte Rechtswissenschaft und wurde 1850 als Rechtspraktikant rezipirt. Da es ihm unter dem Ministerium Mechmar schwer geworden war, eine Advocatur zu erlangen, so ging er nach Berlin und arbeitete dort gemeinschaftlich mit dem als badischem Abgeordneten wohlbekannten Mathy in einem der größeren Creditinstitute unter den Augen von Hansemann. Nach mehreren Jahren, da sich indessen die Verhältnisse in Baden für die Israeliten günstiger gestaltet hatten, kehrte er zurück, übernahm eine Advocatur in Durlach und bald darauf in Karlsruhe. Im Jahr 1863 wurde er in den Staatsdienst berufen und als Assessor bei dem Hof-und Kreisgerichte Mannheim verwendet. Als jedoch im Juli 1866 bei der neuen Wendung der Dinge Mathy zur Präsidentenschaft des Staatsministeriums gelangte, war es eines seiner ersten Geschäfte, den ihm wohl befreundeten und als tüchtig erprobten Ellstätter als juristisches Mitglied in das Finanzministerium zu berufen. Er ist also kaum zwei Jahre als Ministerialrath im Finanzministerium täthig (er ist vielleicht an Dienst- vielleicht aber auch an Lebensjahren der jüngste Rath im Collegium) und schon hat ihn das Vertrauen seines Fürsten an die Spitze des Finanzministeriums gestellt. Sie werden begreiflich finden, daß diese Ernennung nach allen Seiten überraschte, namentlich aber die Glaubensgenossen und zahlreiche Freunde des Ernannten in freudige Aufregung versetzte. Seine juristische Tüchtigkeit und bewährte politische Gesinnung sollen ihm diesen wichtigen Posten eingebracht haben. Möge es ihm gelingen, das Wohlwollen unseres Fürsten und das in ihn gesetzte Vertrauen sich dauernd zu erhalten.“ (...)

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