März 3, 2017 – 5 Adar 5777
Der deutsche Patient

image

Tuvia Tenenbom diagnostiziert in seinem neuesten Buch „Allein unter Flüchtlingen“ wieder trefflich den Zustand Deutschlands  

Von Marcus Koch

Irgendetwas stimmt mit dem Patienten namens „Deutschland“ nicht. Er verhält sich seltsam. Anders als seine Nachbarn sperrt er seine Tore weit auf. Seit 1990 nutzten viele Millionen Menschen die Gelegenheit und strömten herein. Über 4,1 Millionen von ihnen beantragten Asyl. Bei der Prüfung der Anträge bemerkte der Patient selbst, dass er meist getäuscht wurde. Denn mehr als 3,9 Millionen waren gar nicht asylberechtigt bzw. politisch verfolgt. Illegale Einwanderer machten den größten Teil der Asylbewerber aus. Ein normales Verhalten wäre eine ärgerliche Abwehrreaktion mit schärferen Kontrollen und großangelegten Abschiebungen. Doch was tat er?

Der Patient reagierte zunächst müde und schwach. Zwischen 1990 und 2016 schob er nur etwas mehr als 610.000 von den etwa 3,9 Mio. Personen ab, die sich nach seinen Gesetzen gar nicht oder zumindest nicht dauerhaft bei ihm aufhalten durften (also nur etwa 16 %). 2015 entwickelte er dann hektische Aktivitäten – aber nicht in die zu erwartende Richtung. Er bejubelte plötzlich Zuwanderer und betitelte sie pauschal als „Flüchtlinge“. In TV-Werbespots wurden Arbeitgeber dazu ermuntert, Migranten einzustellen (Spot von Jobware). Pro Jahr spendierte er mehrere Milliarden Euro für die Eingereisten und hoffte auf deren Integration, obwohl er wusste, dass sie aus vollkommen fremden Kulturkreisen – zumeist islamischen Ländern – kommen. Als sei dies noch nicht merkwürdig genug, nahm er sogar Mordanschläge der Neuankömmlinge weitgehend regungslos hin.

Ob dieses selbstzerstörerischen Verhaltens sind die Ärzte ratlos. Ein neutraler außenstehender Analyst ist nötig: Tuvia Tenenbom. Er hatte den Patienten schon 2012 in seinem Bericht „Allein unter Deutschen“ intensiv und aus ungewohnter Perspektive durchleuchtet. Nun erstellte er wieder eine Diagnose und veröffentlichte sie am Monatsanfang als Hörbuch und Buch mit dem Titel „Allein unter Flüchtlingen“. Der scharfsinnige jüdisch-amerikanische Beobachter Tenenbom besuchte dafür Menschen in ganz Deutschland. Er reiste von Hamburg bis München und von Köln bis Dresden. Da er zahlreiche Sprachen – unter anderem Arabisch – beherrscht, kam er mit deutschen und ausländischen Bewohnern der Bundesrepublik leicht ins Gespräch. Oft luden ihn Araber in ihre Asylantenheime ein und schleusten ihn an dortigen Wachmännern vorbei. Im Titel seines Berichtes benutzt er den Begriff „Flüchtlinge“, fragt sich aber im weiteren Verlauf, warum die Deutschen nicht das passendere neutrale Wort „Migranten“ verwenden, wie es beispielsweise die Briten tun.

In Hamburg erfuhr er von libanesischen Insassen eines für ca. 20 Mio. Euro umgebauten Asylantenheims: „Die Deutschen lieben uns!“. Warum wissen sie nicht. Laut Tenenbom wissen sie nur, dass jeder Insasse – egal ob Erwachsener oder Kind – 400 Euro Taschengeld im Monat erhält, und zwar bei freier Kost und Logis. Sie freuen sich, dass alles kostenlos ist. In Leipzig hörte er von Asylbewerbern: „Kein anderes Land ist so gut wie Deutschland. Nicht ein einziges arabisches Land hat uns aufgenommen! Niemand hat uns aufgenommen außer Deutschland. Ich bin Deutschland dankbar!“

Tenenbom nahm sich Zeit für seine Gesprächspartner in Sachsen. So fassten sie Vertrauen und äußerten ihm gegenüber allmählich die ersten Klagen: keine Arbeit, kein Privatleben, fürchterliches Essen, Langeweile und tägliche Gewalt. Nachts gäbe es im Leipziger Heim oft Messerstechereien. Einer sagte ihm offen: „Dies ist ein schrecklicher Ort. Die deutsche Regierung behandelt uns schlechter als Hunde. Hunde haben ein besseres Leben als wir! Ich will hier raus. Ich will nach Syrien zurück. Wenn ich hier rausrennen und ein Flugzeug nach Syrien nehmen könnte, ich würde es heute tun! Ich will hier raus! Heute noch! Heute!“ Ins gleiche Horn stieß ein libanesischer Asylbewerber in Pirna: „Das Leben im Lager ist sehr schwer. Jeder raucht Haschisch; ich nicht.“ Er wolle am liebsten auch wieder zurück in sein Herkunftsland, hat aber kein Geld mehr. Die Alternative wäre für ihn die Heirat mit einer deutschen Frau. Die Damen hätten seiner Erfahrung nach jedoch kein Interesse. In München zeigte ein Syrer befremdliches Anspruchsdenken und beschwerte sich darüber, dass es in seinem Zimmer nicht einmal Fernsehen oder Internet gäbe. Auch seine Familie vermisse er. Alle anderen Familienmitglieder, einschließlich seiner beiden Frauen, seien daheim in Syrien geblieben.

Dies legt den Schluss nahe, dass die Situation in seiner Heimat weniger schlimm als in den Medien geschildert sein muss. Auf die Frage, warum er gerade Richtung Bundesrepublik gewandert sei, antwortete ein „palästinensisch“-stämmiger Asylbewerber aus Syrien: „Ich hatte gehört, dass es einfach ist, nach Deutschland reinzukommen und einen Job zu finden.“

Nach den Gesprächen mit den Asylbewerbern fasst Tenenbom seinen Eindruck kurz zusammen: „Das einzige, was an dieser ganzen ‚Willkommenskultur‘-PR-Maschinerie wie geschmiert funktioniert, ist das, was auch im letzten Jahrhundert prima geklappt hat: die perfekte Organisation der Transporte. Die Flüchtlinge werden im ganzen Land auf denkbar effiziente Weise in Aufnahmelager und Wohnheime transportiert. Erstaunlicherweise aber hat keiner dieser guten Deutschen auch nur eine Sekunde an folgenden Gedanken verschwendet: Und was dann?“. Obwohl Deutschland Milliarden für die Zuwanderer ausgibt, so beschreibt er, kippt die Stimmung in den Auffangheimen langsam aber sicher von Dankbarkeit in Hass um. Riesige neue Probleme bahnen sich damit für die Zukunft an.

Ein Problem ist für Tenenbom als Juden insbesondere die Frage, ob durch die vornehmlich muslimische Zuwanderung auch ein großes Maß an Antisemitismus importiert wird. Von einem Afghanen in einem Nürnberger Heim musste er sich folgende wirre Aussage anhören: „Die Juden finanzieren IS. Die Soldaten des IS werden in Israel ausgebildet.“ Ein Syrer in Magdeburg setzte im Gespräch mit Tenenbom Israelis mit IS-Mördern gleich. Als der Asylbewerber erfährt, dass sein Gegenüber Jude ist, wollte er jedoch nicht mehr weiter mit ihm reden. Damit hat sich die Antisemitismus-Frage wohl geklärt.

Um zu erkennen, was die Deutschen denken, traf Tenenbom für „Allein unter Flüchtlingen“ Normalbürger oder auch Politiker wie Gregor Gysi, Volker Beck und Frauke Petry. Die Antwort der Besitzerin eines bayerischen Asylantenheims auf die Frage, warum denn Deutschland so großzügig Flüchtlinge hereinlasse, ist repräsentativ. Sie redet nicht lange um den heißen Brei herum und sagt „Wegen Adolf!“. Fast alle Angesprochenen machen die deutsche Geschichte, also die Nazizeit, für das Verhalten verantwortlich. Einige geraten beim Antworten auf seltsame Irrwege, so zum Beispiel ein Vertreter der katholischen Kirche. Tenenbom gibt dessen Reaktion folgendermaßen wieder: Er persönlich finde es wunderbar, dass Deutschland seine Türen für so viele Flüchtlinge öffnet, denn jetzt könne Deutschland beweisen, wie großartig es ist, im Unterschied zu den Israelis, die „Besatzer“ seien und Menschenrechte verletzten. Solche Aussagen hörte er auf seinen Reisen nicht selten. Flüchtlingsfreunde entpuppten sich häufig als Israelhasser.

Nach seinen Gesprächen und Beobachtungen in der ganzen Republik kommt Analyst Tenenbom zu folgender Haupt-Diagnose: „Die Deutschen nehmen mehr Flüchtlinge auf als alle anderen europäischen Länder, weil sie von der Weltbevölkerung geliebt werden wollen. Und was wollen die Flüchtlinge? Was ich von den Flüchtlingen meistens höre, ist: ‚Helft mir!‘ Die Geschichte der Flüchtlinge in Deutschland lässt sich also, nach allem, was ich darüber bislang in Erfahrung bringen konnte, in vier Worten zusammenfassen: ‚Liebt mich! Helft mir!‘ Zwei Völker, das deutsche und das arabische, bitten uns, sie zu lieben und ihnen zu helfen. Ist das nicht eine traurige
Geschichte? ... An diesem Punkt frage ich mich: Wer braucht wen mehr? Die Flüchtlinge die Deutschen oder die Deutschen die Flüchtlinge?“

Das Hörbuch "Allein unter Flüchtlingen" (John-Verlag, ISBN: 978-3-942057-74-5) steckt voller unbequemer Wahrheiten und ist damit wahrscheinlich eine der wichtigsten Informationsquellen für alle, die gut informiert an der Bundestagswahl 2017 teilnehmen möchten.

Komplett zu lesen in der Druck- oder Onlineausgabe der Zeitung. Sie können die Zeitung „Jüdische Rundschau“ hier für 39 Euro im Papierform abonnieren oder hier ein Onlinezugang zu den 12 Ausgaben für 33 Euro kaufen.


Sie können auch diesen Artikel komplett lesen, wenn Sie die aktuelle Ausgabe der "Jüdischen Rundschau" hier online mit der Lieferung direkt an Sie per Post bestellen oder jetzt online für 3 Euro statt 3,70 Euro am Kiosk kaufen.

Brief an die Redaktion schreiben

Email This Page