Der Direktor des Berliner Museums, Dr. Peter Schäfer, irritiert durch ein offizielles und harmoniegetragenes Treffen mit einem Vertreter des antisemitischen Regimes zu Teheran. 

Von Anastasia Iosseliani

Am 8. März 2018 wurde der Kulturrat des Regimes der Islamischen Republik, Seyed Ali Moujani, zu einer Führung durch das Jüdische Museum zu Berlin eingeladen. Aus diesem Anlass wurde Moujani vom Direktor des Museums, Dr. Peter Schäfer, persönlich empfangen.

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Im Deutschland des Jahres 2019, in dem Synagogen und andere jüdische Institutionen wie z.B. Kindergärten wegen mörderischer Antisemiten rund um die Uhr von der Polizei bewacht werden müssen, empfängt eine deutsche staatliche Institutionen den Repräsentanten eines mörderischen Regimes, in dem Frauen bestenfalls Bürger zweiter Klasse sind und das dem Juden unter den Staaten, Israel, mit der Vernichtung droht. Darüber hinaus greift eben jenes Regime durch terroristische Proxies wie die Hisbollah den jüdischen Staat direkt mit Waffengewalt an.

Aber nicht nur Israel ist das Ziel des schiitischen Islamismus: Attentate wie der AMIA-Anschlag in Buenos Aires, dem größten Anschlag auf jüdische Zivilisten nach dem Zweiten Weltkrieg, zeigen, dass das Regime und seine Proxies auch nicht-israelische Juden ins Visier nehmen, wenn sie keine Israelis meucheln können. In der Not frisst der Teufel eben Fliegen. Vor einem Jahr flog in Berlin ein Netzwerk iranischer Agenten auf, die für den «Tag X» jüdische Einrichtungen ausgespäht haben. Davor wurde bekannt, dass der ehemalige Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Reinhold Robbe, im Auftrag des iranischen Geheimdienstes von einem pakistanischen Staatsbürger ausspioniert wurde.

Und genau diesem Regime erweist eine Institution, die mit deutschen Steuergeldern finanziert wird, die Ehre, indem sie einen Repräsentanten der Diktatur empfängt und durch das Museum führt. Und Moujani wäre nicht ein Repräsentant der anti-demokratischen Mullahs, wenn er nicht auch diesen Empfang für Propaganda missbrauchen würde:

Moujani ließ verlauten, dass die «Gleichsetzung von Antisemitismus mit Antizionismus» angeblich ein Problem sei, das, man unter «die Lupe nehmen müsse». Ausserdem hatte Moujani die Unverschämtheit zu fordern, dass man «eine Grenze zieht zwischen dem Zionismus und dem Judentum», wie man «eine Grenze ziehen würde zwischen dem Islamischen Staat und dem Islam». Das bedeutet, dass der Repräsentant des Mullahregimes die Chuzpe hat den Judenstaat mit dem Islamischen Staat gleichzusetzen, und das in einer deutschen Institution (und nicht im Scheinparlament in Teheran) – alles dazu auch noch unwidersprochen von denen, die anwesend waren.

Hier zeigt sich das amtliche Deutschland einmal mehr von seiner erbärmlichsten Seite: All die schönen Worte von Politikern und anderen Persönlichkeiten zum Gedenken an die Opfer der Schoah sind nichts wert, wenn deutsche Institutionen vor einem antisemitischen, mörderischen Regime, wie dem zu Teheran, kuschen, um auf Teufel komm raus einen siechenden «kritischen Dialog» am Leben zu erhalten, den man schon lange nur noch als «moralische Prostitution» bezeichnen kann. Damit verrät man in Deutschland nicht nur alle Werte der Aufklärung, sondern auch jüdisches Leben an sich und lässt jüdisches Leben im Deutschland nach der Schoah tatsächlich als «unverdientes Geschenk» erscheinen.

Es sind genau solche Fälle, in Kombination mit dem Abstimmungsverhalten des offiziellen Deutschlands bei den Vereinten Nationen, die daran zweifeln lassen, ob den Deutschen klar ist, was es bedeutet, dass Juden wieder in der Bundesrepublik Deutschland leben und dass die Bundesrepublik Deutschland diplomatische Beziehungen zu Israel, dem Judenstaat, haben darf.

Das Jüdische Museum zu Berlin hat sich für das antisemitische Mullahregime moralisch prostituiert. Es reicht eben nicht nur Bilder jüdischer Persönlichkeiten und Judaica auszustellen, um uns Juden gegenüber Respekt zu erweisen. Es braucht ein Bewusstsein dafür, dass man sich nicht bei Antisemiten anbiedert – selbst wenn diese Imperialisten in den Masken von Revolutionären sind. Dieses Bewusstsein hat – nicht nur in diesem Fall – gefehlt. Und gerade dieses fehlende Bewusstsein ermöglicht es Antisemiten aller Couleur in Deutschland Urstände zu feiern, während jüdische Kindergärten weiterhin rund um die Uhr bewacht werden müssen.

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