Oktober 5, 2015 – 22 Tishri 5776
Das inspirierende Leben des Oliver Sacks

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Zum Tod des britisch-amerikanischen Neurologen  

Von Theodor Joseph

Die Zeit ist ihm davongerannt, der Krebs in seiner Leber war nicht mehr aufzuhalten. Oliver Sacks, der Apostrophierte, hat selbst diese düstere Prognose im Februar 2015 der Öffentlichkeit kundgetan. Ein pralles Leben eines vielseitig Begabten, ein Leben auf der Überholspur ist Ende August 2015 zu Ende gegangen. Mit zwölf Jahren hatte ihm ein scharfsichtiger Lehrer ins Stammbuch geschrieben: „Sacks wird weit kommen, wenn er nicht zu weit geht“. Der Lehrer sollte recht behalten.

Sacks gilt als berühmtester Neurologe der Welt, ist populärwissenschaftlicher Bestsellerautor („Der Tag, an dem mein Bein fortging“, 1989; „Awakenings: Zeit des Erwachens“, 1990; u. a. m.), und Publizist, der für die New York Times und den New Yorker schrieb. Auch lehrte er über Musiktheorie. Mozart, bemerkte er einmal, mache ihn „fruchtbar“, aber auch Rock’n Roll war ihm nicht fremd. Seine Bücher sind heute weltweit bekannt, einige dienten als Vorlage für Filme und Theaterstücke. Seine Geschichte vom Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte, inspirierte Michael Nyman gar zu einer Oper. Der Film „Zeit des Erwachens“ (1990, Regie Penny Marshall), mit Robert de Niro und Robin Williams in den Hauptrollen, basiert auf wahren Begebenheiten, die Sacks in den 1960er Jahren im New Yorker Beth Abraham Hospital erlebte.

In seinen im Juni 2015 erschienen Lebenserinnerungen (Oliver Sacks: „On the Move. Mein Leben“, Rowohlt Verlag, Reinbek 2015, 442 S., 24,95 Euro) präsentiert sich Oliver Sacks als ein Mann, der an der Welt und den Menschen interessiert war, den viel berührte und damit hat er in alter jüdischen Tradition ein kleines bisschen Tikun Olam in die Welt gebracht, auch wenn er dies für sich nicht in Anspruch nahm.

Im jüdisch-orthodoxen Elternhaus, in das Sacks 1933 in London hineingeboren wurde, wurde streng auf Kaschruth geachtet. Am Schabbat kam regelmäßig gefilte fisch auf den Tisch. Zusammen mit Salaten, Obst und Challot half der durch den Wolf gedrehte gekochte Karpfen der Familie über den Schabbat hinweg, an dem nicht gekocht werden durfte. Darüber hinaus hatte es Sacks gar nicht nötig, über sein Judentum zu sprechen, weil es ihm selbstverständlich war.

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