Juni 6, 2019 – 3 Sivan 5779
Das Geheimnis der Rosa Mamlock

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Ein Zufallsfund in einem Teich in Nord-Polen bildet den Grundstein für eine neue jüdische Friedhofsgedenkstätte bei Danzig 

Von Andreas C. Schneider

Es war ein heißer Sommertag im Jahr 2015. Bei Niedrigwasser fanden Angler an einem Teich beim nordpolnischen Örtchen Garnsee/Gardeja einen großen, verdreckten, undefinierbaren Stein. Als sie ihn grob reinigten, entdeckten sie auf ihm unbekannte Schriftzeichen. Daraufhin benachrichtigten sie den Geschichtslehrer und Journalisten Ryszard Bartosiak und fragten ihn um Rat. Nach einer gründlicheren Säuberung erkannte er in dem knapp hundert Kilogramm schweren Marmorblock einen jüdischen Grabstein mit hebräischen Schriftzeichen und der deutschen Inschrift „Rosa Mamlock - geb. Itzig - geb. 25. Mai 1850, gest. 16. Oktober 1920“.

Bartosiak begab sich auf Spurensuche und erforschte die Geschichte des Grabsteins. Unter anderem fand er heraus, woher der außergewöhnliche Fund ursprünglich stammte. Der ehemalige Standort war ein jüdischer Friedhof auf einem kleinen Hügel in der Nähe des Teiches nordöstlich des Ortszentrums. Vom Friedhof ist heute nichts mehr übrig. Das Gelände wurde teils eingeebnet und zugebaut. Seine Rechercheergebnisse fasste der Lehrer und Journalist im November 2015 für die Zeitung „Kurier Kwidzyński“ in einem Artikel zusammen. Die Überschrift lautete „Das Geheimnis von Rosa Mamlock“.

Der Artikel war auch im Internet zu lesen. Dort stieß die deutsche Historikerin Dr. Gabriele Bergner auf ihn und informierte einen Nachfahren Rosa Mamlocks darüber – und zwar ihren Urenkel Michael Mamlock in Berlin. Er forscht seit 40 Jahren nach Mitgliedern seiner Familie. Schon bald fuhr er nach Garnsee bei Danzig ins ehemals deutsche Westpreußen. Der Empfang im rund 2.500 Einwohner zählenden Örtchen war sehr herzlich. Herr Mamlock sprach mit dem Bürgermeister und konnte erstmals den Grabstein seiner Urgroßmutter sehen und berühren. In Gesprächen erfuhr er unter anderem, dass noch zahlreiche weitere Grabsteine in den Teichen rund um das ehemalige Gelände des jüdischen Friedhofes vermutet werden. Bislang konnte man weltweit die Nachkommen von 20 jüdischen Familien ermitteln, die früher in der Gemeinde Garnsee wohnten und deren Angehörige dort bestattet wurden. Sie leben in den USA, in Deutschland, in Israel, in Brasilien, in England und den Niederlanden.

Der Gemeinderat sicherte Unterstützung bei der Bergung der restlichen Grabsteine und der Einrichtung einer Gedenkstätte mit diesen auf dem alten Friedhofsgelände zu. Das deutsche Auswärtige Amt, das polnische Ministerium für Kultur und der Verband der jüdischen Gemeinden Polens befürworten diese Planungen ebenfalls. Das Geld dafür muss allerdings größtenteils durch Spenden aufgebracht werden. Das Projekt zur Schaffung der Gedenkstätte zur Völkerverständigung und zur Erinnerung an die ehemaligen jüdischen Bürger trägt nun den Namen „Gardeja Memorial“. Es hat viele Facetten. Dazu gehören auch die Produktion eines deutsch-polnischen Dokumentarfilms, die Erarbeitung einer Dauerausstellung zu den Verstorbenen und die Veröffentlichung von Lehrmaterial für die umliegenden Schulen, damit die polnischen Schüler mehr über die deutsch-jüdische Geschichte ihrer Region erfahren.

Joanna Mieszczyńska, eine Regional-Botschafterin des Warschauer Museums zur Geschichte der polnischen Juden (POLIN), begrüßt das Projekt sehr. „Es ist wichtig, diese Geschichte so genau wie möglich zu zeigen. Besonders interessant wird es, wenn die Schüler selber forschen“, meint sie. Die Grabsteine werden bald geborgen und untersucht. Dann wird es für die Schüler viele Gelegenheiten dazu geben.

Der Berliner Kaufmann Michael Mamlock hat zur Durchführung des anspruchsvollen internationalen Projektes eine Stiftung ins Leben gerufen: www.mamlock-foundation.com

Wenn Sie die Stiftung bei ihrer wichtigen Erinnerungsarbeit unterstützen möchten, können Sie einen Betrag Ihrer Wahl auf folgendes Spendenkonto mit dem Betreff „Gardeja Memorial“ überweisen:

Pax-Bank eG, 

IBAN: DE 84 3706 0193 6002 5750 17

BIC: GENODED1PAX

Es ist auch möglich, eine Patenschaft über einen der geborgenen Grabsteine zu übernehmen.

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