November 4, 2015 – 22 Heshvan 5776
Buddha, Palmyra, Tempelberg

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Still und heimlich werden Beweise uralter jüdischer Präsenz beseitigt  

Von Miriam Magali

Die Welt empört sich, als die Taliban in Afghanistan die alten Buddha-Statuen aus den Felswänden reißen: Damit werde ein wichtiges Weltkulturerbe willkürlich zerstört. Erst kürzlich haben IS-Milizen uralte assyrische Statuen in Ninive zerhackt, kurze Zeit später antike römische Bauwerke in der Oasenstadt Palmyra in die Luft gesprengt – nicht ohne zuvor die kostbaren kleineren Kunstgegenstände geborgen zu haben, um sie später Antiquitätenkäufern im Westen gegen gutes Geld anzubieten. Der VN-Generalsekretär spricht gar von Kriegsverbrechen.

Da kommt es einen Betrachter der archäologischen Szene doch höchst verwunderlich vor, dass die Welt nicht die geringste Notiz von einer weiteren Zerstörung des Weltkulturerbes nimmt, die im Folgenden vom Schleier des Verschweigens befreit sein soll.

An einem Ende der Jerusalemer Altstadt erhebt sich der ehemalige jüdische Tempelberg, auf dem einst König Salomo einen ersten Tempel errichtete, der im Jahr 587 v.d.Z. von den Babyloniern dem Erdboden gleichgemacht wird; die Heimkehrer aus dem babylonischen Exil bauen ihn ungefähr 50 Jahre später wieder auf. Vor allem König Herodes verdankt dieser Neubau seine Pracht und seinen Ruhm. Allerdings nicht für lange. Denn bereits im Jahr 70 d. Z. zerstören römische Legionen ihrerseits diesen Zweiten jüdischen Tempel. Irgendwann erhob sich dann ein Venus-Tempel an der Stätte. Erst mit der Ankunft der Muslime ändert sich das Aussehen des Tempelbergs. Denn seither stehen darauf zwei Moscheen: Die erste, die „Omar-Moschee“, besser bekannt unter dem Namen Felsendom, dessen goldene Kuppel seither als das Wahrzeichen Jerusalems gilt, erhebt sich seit 691 auf einer erhöhten Steinplattform auf dem größeren Hof des Tempelbergs; während der Herrschaft des Kalifen Walid (705-714) entsteht die südliche oder „Außenmoschee“, d.h., die al-Akza-Moschee, ihrerseits bekrönt von einer silbernen Kuppel. Zutritt zu beiden haben seit etlichen Jahren ausschließlich ausgewiesene Muslime. Alle anderen Besucher dürfen sich lediglich ein- oder zweimal in der Woche ungefähr zwei Stunden lang um die Mittagszeit von außen am Anblick beider Bauten erfreuen; man beachte: nur von außen (!); der Zutritt ins Innere der Heiligtümer ist den „Ungläubigen“ verboten, ja, sobald man sich ihnen auch nur bis auf 20 Meter nähert, wird man rüde davongescheucht.

Seit dem Ende der 1990er Jahre beginnt der Waqf, die arabische Verwaltung des Tempelbergs, mit seinen großen Bauprojekten in dessen Inneren. Motivation dafür ist vermutlich die Angst, im Rahmen eines Friedensabkommens – denn darüber verhandeln Israelis und Palästinenser zu jenem Zeitpunkt – Teile des geheiligten Areals an die Juden abgeben zu müssen. Im Verlauf nur weniger Monate öffnet der Waqf ungefähr 50 leere Räume im Berginneren und entfernt deren Inhalt, der die Jahrtausende alte Geschichte der jüdischen – und damit auch der westlichen Zivilisation enthält. Ein der Zerstörung der Buddha-Statuen in Afghanistan bzw. der antiken Stadt Palmyra vergleichbarer Verlust des Weltkulturerbes der Menschheit – was nur leider anscheinend niemandem auffällt.

1999 entsteht in Gewölben, die einst Herodes und später die Kreuzritter ausgebaut haben, die größte unterirdische Moschee der Muslime im Land! Gleichzeitig nutzt der Waqf die Erlaubnis, einen Notausgang für die Moschee zu bauen, um umfassende Bauarbeiten vor Ort auszuführen. In die Südostecke des Bergs wird ein heute zwölf Meter tiefes Loch getrieben. Planierraupen wühlen wochenlang das Erdreich im Berg auf. Der Waqf lässt tausende Lastwagenladungen archäologisch wertvollen Gerölls auf Müllkippen in Ostjerusalem deponieren. Dabei zerstört der Waqf alte, auch islamische Bauten, und verursacht irreparablen wissenschaftlichen Schaden. Der Notausgang wird zum heutigen Haupteingang der al-Marwani-Moschee. Er ist mit jahrtausendealten Pflastersteinen gepflastert, die neu zugeschnitten wurden – wobei natürlich ebenfalls unwiederbringlich uralte Zeugnisse des Weltkulturerbes der Menschheit zerstört wurden. Denn es ist anzunehmen, dass dabei alte – natürlich jüdische bzw. israelitische – Inschriften und Reliefs zerstört wurden. Mitarbeitern der israelischen Archäologiebehörde, die sonst bei jedem Bauunternehmen in Jerusalem als Erste den ins Auge gefassten Grabungsort in Augenschein nehmen und, wenn nötig, Notgrabungen durchführen, um kostbare archäologische Zeugnisse zu retten, wird der Zugang zu den Arbeiten verweigert. (…)

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