Das „Museum der Freunde von Zion“ stößt seit drei Jahren auf reges Interesse  

Von Elisabeth Hausen (Israelnetz)

Viele Einrichtungen in Israel und im Ausland informieren über die mitunter sehr schwierigen Beziehungen zwischen Christen und Juden – und das ist auch nötig. Einen wohltuend anderen Schwerpunkt setzt indes das „Museum der Freunde von Zion“. Es wurde vor drei Jahren in einem Haus in Jerusalem eröffnet, das einst der Familie von Staatspräsident Reuven Rivlin gehörte. Die Ausstellung porträtiert Nichtjuden, die sich für Juden und Israel eingesetzt haben – in Vergangenheit und Gegenwart.

„Ich glaube nicht, dass der jüdische Staat und der moderne Zionismus ohne den christlichen Zionismus möglich gewesen wären“, sagte der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu 2012 bei der Wiedereinweihung der restaurierten historischen Windmühle in Jerusalem. Diese und ähnliche Aussagen prägen das Museum.

Christliche „Träumer“
In der „Halle der Träumer“ lernt der Besucher Christen kennen, die sich im 19. Jahrhundert für die Rückkehr der Juden nach Zion und für Jerusalem einsetzten. Zu ihnen gehört der Gründer des Roten Kreuzes und Mitbegründer des weltweiten CVJM, Jean Henry Dunant. Der Schweizer träumte von einer jüdischen Kolonie im damals osmanisch beherrschten Palästina. Theodor Herzl würdigte ihn seinerzeit als „christlichen Zionisten“.

Auch der amerikanische Professor für die hebräische Sprache, George Bush, befürwortete seinerzeit die Rückkehr der Juden ins verheißene Land. Er veröffentlichte 1844 einen Bestseller mit dem Titel „The Valley of Vision; or, The Dry Bones of Israel Revived“ („Das Tal der Vision, oder: Die trockenen Gebeine Israels wiederbelebt“). Dabei orientierte er sich an einer Vision des Propheten Hesekiel, den Gott aufforderte, Verstorbene wieder zum Leben zu erwecken. Unter den Nachfahren des Visionärs sind unter anderen zwei ehemalige US-Präsidenten.

Ein weiterer Christ aus den USA, William Blackstone, kam durch das Bibelstudium zu dem Schluss, dass das jüdische Volk ein angestammtes Recht auf seine biblische Heimstätte habe. In einer als „Blackstone Memorial“ bekannt gewordenen Petition forderte er die Amerikaner 1891 auf, sich aktiv an der Rückführung der Juden in Heilige Land zu beteiligen. Die antisemitischen Pogrome in Russland bestärkten ihn in seinem Bestreben, weil dadurch Juden akut in Lebensgefahr gerieten.

Ebenfalls in der Halle der Träumer hören die Besucher von der niederländischen Familie ten Boom. Auf der Webseite des Museums heißt es: „Die Geschichte von Willem und Elisabeth ten Boom und ihren Nachkommen ist eine bemerkenswerte, jahrhundertelange Erzählung von christlichem Gebet und Handeln, erfüllt von selbstloser und aufopferungsvoller Liebe zum jüdischen Volk und dem jüdischen Heimatland.“ Ab 1844 lud die Familie jede Woche Christen zum Gebet für Jerusalem, seine Bewohner und die Juden in der Diaspora ein – dies währte drei Generationen.

Judenretter als „Lichter in der Finsternis“
Auch bei der Würdigung von Menschen, die während der Schoah Juden retteten, spielt die niederländische Familie eine Rolle. Das Geheimversteck in Corrie ten Booms Schlafzimmer wird ebenso thematisiert wie die Deportation ins Konzentrationslager Ravensbrück. Mit der Verhaftung endete das wöchentliche Gebet für Israel. Weitere „Gerechte unter den Völkern“, die das Museum vorstellt, sind Oscar Schindler, die Polin Irena Sendler oder auch zwei Diplomaten: Chiune Sugihara aus Japan und Raoul Wallenberg aus Schweden. Eine anschauliche Präsentation stellt sie als „Lichter in der Finsternis“ dar. Juden, die durch ihre Hilfe überlebten, sind ebenfalls zu sehen.

In einem interaktiven Raum, der „Halle der Visionäre“, können Besucher auf einem Sensorbildschirm historische Persönlichkeiten dazu bringen, ihre Geschichte kundzutun: Wer die Wand berührt, begegnet unter anderen der englischen Königin Victoria, dem britischen Außenminister James Balfour oder US-Präsident Woodrow Wilson.

Präsidenten für Botschaftsverlegung gewürdigt
Mit einer animierten Weltkarte dankt das Museum den Ländern, die am 29. November 1947 für den Teilungsplan der Vereinten Nationen und damit für den jüdischen Staat stimmten. Doch die Organisatoren widmen sich nicht nur der Vergangenheit. Und so verleiht das Museum den „Friends of Zion Award“ an Nichtjuden, die sich heute für Israel einsetzen. Berühmte Preisträger sind US-Präsident Donald Trump, der Präsident von Guatemala Jimmy Morales und das paraguayische Staatsoberhaupt Horacio Cartes. Diese drei Politiker hatten im Mai die Botschaften ihrer Länder nach Jerusalem verlegt.

Als sie das Museum einrichteten, rechneten Gründer Mike Evans und seine Mitstreiter damit, vor allem christliche Besucher zu empfangen. Doch zu ihrem Erstaunen sind etwa 50 Prozent der Gäste jüdisch. Mitglieder der Bewegung sind Tausende Nichtjuden in aller Welt, die Israel unterstützen. Dazu gehört nach Angaben der „Freunde von Zion“ eine „Armee von Bloggern“, die bereitstehe, wenn Israel Hilfe braucht.

Eine Schau zeigt die biblischen Wurzeln der Verbindung zwischen dem jüdischen Volk und dem Land Israel. Sie beginnt mit Gottes Verheißung an Abraham und den beiden anderen Erzvätern, Isaak und Jakob. Moses Berufung am brennenden Dornbusch kommt ebenso vor wie die genannte Vision des Propheten Hesekiel. Da sagt Gott: „Darum weissage und sprich zu ihnen: So spricht Gott der HERR: Siehe, ich will eure Gräber auftun und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf und bringe euch ins Land Israels. Und ihr sollt erfahren, dass ich der HERR bin, wenn ich eure Gräber öffne und euch, mein Volk, aus euren Gräbern heraufhole.“ (Hesekiel 37,12–13)

Die verschiedenen biblischen Persönlichkeiten haben auf ihre Berufung geantwortet: „Hier bin ich“. Besucher werden aufgefordert, sich darüber Gedanken zu machen, ob und wie auch sie Israel unterstützen wollen. Wer möchte, kann sich fotografieren lassen. Sein Bild wird dann Teil der Ausstellung – und er selbst damit ein Freund von Zion.

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