August 5, 2016 – 1 Av 5776
Argument vs. Behauptung

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In den islamischen Ländern wird kaum gezweifelt – und das ist ihre Schwäche  

Von Roger Letsch

Diesen Artikel versuche ich nun schon seit Wochen zu schreiben, nie fand ich den richtigen Einstieg in das Thema. Ich habe mehrmals begonnen und immer wieder nach wenigen Sätzen aufgegeben.

Warum ist es so, dass die Argumente Israels häufig so umständlich, technisch und geradezu langweilig rüberkommen, während die andere Seite mit Lügen Schlagzeilen produziert?

Wie kommt es, dass ausgerechnet die Seite, die unmoralisch handelt, die Moral für sich reklamiert? So wie mir der Antworttext entgleitet, stehen in der Realität häufig Menschen mit offenem Mund da und lassen all die Lügen ohne Reaktion verhallen. Es ist jedes Mal so mühsam, mit Logik und Argumenten dagegen zu steuern.

Ein Raketenangriff auf Sderod oder ein entdeckter Hamas-Tunnel nach Israel wird gemeldet – und Journalisten drehen die Fakten jedes Mal so, dass Israel dafür verantwortlich ist – und viele Leser schaffen dies in den Kommentaren auch? Ein arabisches Dorf in Samaria hat kein Wasser? Israel hat das Wasser abgedreht – ist doch klar! Israel habe sogar schlimmeres vor, es will die Araber verdursten lassen! Man liest diese Meldungen, sieht dazu die Bilder kleiner „palästinensischer“ Kinder mit tränenvollen Kulleraugen, die schwere Wasserkanister schleppen und denkt: Das sieht übel aus! Man kann gar nicht anders denken. Neun von zehn Lesern haben nun genau die Meinung, die sie brauchen. Einer vielleicht zweifelt und fragt sich „Ist das echt? Was steckt hinter der Meldung, hinter den Bildern?“

Zunächst mal: Die Bilder waren in diesem Fall wirklich perfekt! Gut ausgeleuchtete Motive, leidende Kinder, Elend und Schmutz, Getty-Qualität. Aber nur einer von zehn Lesern fragt sich, warum ausgerechnet die Kinder das Wasser holen müssen. Warum tun das nicht deren Eltern, wenn die Kanister so groß und schwer sind?

Forschte man in dem Fall weiter nach, kam man schnell zu folgender Erkenntnis: Das Wasser war wirklich abgesperrt, denn es gab einen Wasserrohrbruch! Die Reparatur war schon im Gange, die Wasserversorgung zwischenzeitlich durch Tanklastwagen sichergestellt. Der Rest war Pallywood!

Pallywood, auf das neun von zehn Lesern hereinfallen, weil sie mit solchen Geschichten ihre Vorurteile füttern und nicht glauben können, dass sie ausgerechnet in „Tagesthemen“ oder „Heute“-Nachrichten auf eine Falschmeldung hereinfallen. Und nun die Gretchenfrage, wegen der ich mir seit Wochen den Kopf zerbreche: Wie funktionieren diese Lügen, warum halten sie sich so hartnäckig und wie kann man gegensteuern?

Ok, lassen Sie mich versuchen, dafür eine Erklärung zu finden. Dazu muss ich zunächst zwei Geschichten erzählen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Beide Geschichten sind genauso passiert – ich selbst wurde Zeuge der folgenden Begebenheit:

Ein Mädchen mit Hidschab, vermutlich etwa 10-12 Jahre alt, sowie deren vermutlich jüngere Schwester, noch ohne Hidschab, sind mit ihrem vielleicht 3-4 Jahre alten kleinen Bruder zum Spielen draußen. Ich bin unterwegs zum Bäcker und beobachte, wie die beiden Mädchen ihren kleinen Bruder herumkommandieren. Tu dies, mach das – nein, so nicht, du bist dumm…ein Machtspiel, wie es sicher unter allen Kindern dieser Welt vorkommt, der Hidschab spielt hier nicht die Hauptrolle.
Noch nicht! (…)

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