August 7, 2015 – 22 Av 5775
Andacht in Horb gegen Israel

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„Nahost-Fachleute“ aus dem Schwarzwald gegen das „Bauwerk der Gewalt“  

Von Monika Winter

Horb am Neckar ist eine Stadt im Südwesten des Bundeslandes Baden-Württemberg, eine große Kreisstadt und das Tor zum Schwarzwald. Die Stadt liegt in einer Höhe von etwas über 400 Metern. Die gesamte Altstadt befindet sich auf einem Hügel und bietet sicherlich eine wunderschöne Aussicht auf die Täler.

In dieser Idylle denkt wahrscheinlich niemand an „Mauern“, die Menschen vor ihren Feinden schützen. Hätte Willi Bröhl, der Diakon der Liebfrauenkirche im vergangenen Jahr nicht mit seiner Familie an einer Pilger- und Solidaritätsreise im Heiligen Land teilgenommen, dann wäre die Welt in Horb auch heute noch in Ordnung. Der Diakon aber war schockiert über die Zustände im Heiligen Land, über die Mauer zwischen Israel und „Palästina“, dem Stacheldraht, schockiert von den Kugeln, die abgeschossen werden. Hass und Krieg, da musste eine Andacht her, ein Friedensgebet, für die Menschen in Palästina, deren Leben geprägt ist von Krieg, Militäraktionen und Einschränkung der Bewegungsfreiheit. Durch wen? Natürlich durch den Staat Israel.

Am 29. Juli berichtet der „Schwarzwälder Bote“ über die kirchliche Andacht. Geboten wurde geistliche Musik, wobei Claudia Echle sang und ihr Mann Karl an der Orgel spielte. Aufrüttelnde Texte und Bilder des Schreckens von Diakon Willi Bröhl begleiteten das Programm. Viele „Mitbeter“ seien in die Liebfrauenkirche gekommen, um gemeinsam für den Frieden im Heiligen Land zu beten. Die Texte kreisten um die Situation in Palästina und Betlehem, um Landraub, Checkpoints und demütigende Kontrollen. Die Mauer sei ein „Bauwerk der Gewalt“ hieß es in einem Text, sie sei eine Rassentrennungs- und Apartheidsmauer. Dies alles sind Begriffe, die Leser der JÜDISCHEN RUNDSCHAU zu Genüge kennen und kundig zu entkräften wissen. Betlehem erlebe sie wie ein Gefängnis. „Wie solle da Frieden möglich sein?“, las Renate Bröhl aus ihren Texten vor. Ein versöhnender Segen durfte nicht fehlen und beendete die Abendandacht.

Für die Journalistin Angela Baum gibt es keine Fragen, keine Kritikpunkte. Sie berichtet ausschließlich, was sie sieht und hört. Bereits die Überschrift des Artikels „Mauer zwischen Israel und Palästina ist ein ‚Bauwerk der Gewalt‘“, zeigt ihre fehlenden geographischen und politisch-historischen Kenntnisse. Für Frau Baum und die Veranstalter scheint ein Staat neben Israel zu existieren, der sich Palästina nennt. Willi Bröhl betreibt einseitige Propaganda in einem christlichen Gebäude, anders ist es nicht zu bezeichnen. Dass er in seiner Freizeit Sammlungen organisiert wie „Ein Pfund Hilfe für Palästina“ und „Brot als Hilfe für Betlehem“ und damit den Hilfsverein Musa´ade unterstützt, ist seine persönliche Angelegenheit. Seine Unterstellungen gegenüber Israel während einer Andacht ist hingegen keine persönliche Angelegenheit. Dass nämlich das „Bauwerk der Gewalt“ Menschenleben rettet, gelangt nicht in die Ohren der Besucher. Auch dass die Zahl der Bombenanschläge in Israel seit dem Bau der Mauer dramatisch gesunken ist, bleibt unerwähnt. Dass Israel zur Selbstverteidigung gezwungen wird, war dann auch kein Thema. Man wolle beim Abendgebet für Menschen aller Religionen beten, für Juden, Christen und Moslems, so der Diakon. Mit welcher Berechtigung betet ein Diakon für Juden, die in seinen Augen doch Aggressoren sind? Die Veranstaltung wirft Fragen auf.

„Es waren Bilder des Schreckens und der Angst, etwa vor der Mauer, die Israel und Palästina trennt, von Kugeln, die abgeschossen werden oder von Stacheldrahtzaun, durch den die Abendsonne scheint“. Wo aber waren die Bilder der Terroropfer aus Israel zu sehen: Kinder, Eltern, ganze Familien und junge Soldaten? Diese Veranstaltung richtet sich auch gegen jeglichen Versuch eines christlich-jüdischen Dialogs, an dem sich weite Kreise der katholischen Kirche beteiligen.
(...)
Der toten Juden von Horb wird gedacht, während die lebenden Juden in Israel durch die katholische Liebfrauenkirche verunglimpft werden.

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