November 4, 2015 – 22 Heshvan 5776
An die Kains dieser Welt

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Von David Serebrjanik

„Nimm, was du hast und flieg damit!“ (Motto von Gerd Buurmann, der es von Kermit dem Frosch hat. Woher dieser das Zitat hat, verrät er nicht)

Warum wird Israel gehasst? Weil es fliegt! Es hat die Chuzpe, sich zu erheben und zu fliegen. Mitten unter Nachbarn, die tief in der Scheiße sitzen. Und dass sie in der Scheiße sitzen, haben sie selbst zu verantworten. Scheiße ist warm, ist gemütlich, ist vertraut. Man kann, darin sitzend, Frauen verhüllen, Andersdenkende verfolgen, eigene finanzielle Misere geniessen und den WeltBettler spielen. Gute alte vertraute Scheiße. Wäre da nur nicht Israel, das weit im Himmel seine Kreise zieht und die fantastische Aussicht geniesst. Es fliegt und es ist frei. Und würde sich eigentlich freuen, wenn alle Menschen frei wären und fliegen könnten. Anders gesagt: Israel ist Abel, der Talentreiche, der Fantasievolle. Dieser Abel hat aber gelernt, sich gegen den gewalttätigen, blöden Kain zu wehren. Er lässt sich nicht mehr einfach so abschlachten. Und der neidvolle, stumpfsinnige Kain schaut auf den fliegenden Abel und fletscht die Zähne, und versucht, mit “selbstgebastelten” Steinschleudern diesen Flug zu beenden. Unterstützt von allen anderen Kains, Bans und Moons dieser Welt, die, in ihrer eigenen Scheiße sitzend, mit dem Pali-Kain sympathisieren, alles Fliegende zutiefst beneiden und gleichzeitig verabscheuen, weil sie selbst nie gelernt haben zu fliegen. Nur Auschwitze zu bauen, Resolutionen zu verfassen und zu hassen. Ihr werdet ein weiteres mal schmerzhaft auf eure blöde Nase fallen, Kains dieser Welt! Am Israel Chai!

Ich streckte dir meine Hand aus, Bruder. – Du schlugst sie.
Ich bot dir an, eine gute Nachbarschaft zu führen. – Du versuchtest, mich zu verprügeln.
Ich war bereit, dir aus deiner finanziellen Misere zu helfen – Du spucktest mir ins Gesicht.

Was ist los mit dir, Bruder? Wer hat dein Herz vergiftet?
Was passt dir am Leben nicht, Dass du immer deinen Stolz herauskehren willst?
Hat dich unsere Mutter Hava zu wenig geliebt?
Hat dich unser Vater Adam ausgelacht und erniedrigt, Dass du dermaßen dich selbst verachtest und hasst?

Du denkst, Gott nahm deine Opfer nicht an? Es war windig an dem Tag, Bruder. Deswegen wehte der Rauch von deinen Opfern tief über der Erde.
Du hast mich mehrmals umgebracht, Kain. Immer und immer wieder. Ich ließ es geschehen. Du bringst mich auch heute um. Du kannst gar nicht anders. Du bist in eine Endlosschleife geraten. Du hasst. Kain.

Doch ich lerne, Bruder, mit dir umzugehen. Während ich nachwievor eine Hand dir ausstrecke, wacht die andere über deine Waffe. Meine Hand fängt deine ab. Lässt sie nicht mehr ungestraft morden. Du wirst dich nie ändern, Bruder. 72 Jungfrauen sind zu verlockend für dich.

Aber ich musste mich ändern, um zu überleben. Eretz Israel ist mein Haus. Das könnte auch dein Haus sein. Wärst du nur nicht so böse. Kain.

Der zweite, gedichtartige Text (oder textartiges Gedicht) ist als spontane Reaktion auf einen Kommentar zu dem ersten Text entstanden, der auf dem Blog tapferimnirgendwo.com als Gastbeitrag veröffentlicht wurde. Der Autor des Kommentars zitierte das Gedicht „Kain“ von Erich Mühsam, wohl in der Absicht zu ermahnen, auch die „andere Seite“ zu sehen und die Motive für ihre Taten zu berücksichtigen. Ich fand nichts besseres, als ebenfalls mit einem Gedicht zu antworten.

Diejenigen, die jetzt „was erlaubt der sich eigentlich?“ denken, haben völlig recht. Wer Gedichte über Israel verfasst und mit Mühsam polemisiert, muss schon mindestens Erich Fried oder Günter Grass, oder was weiß ich wer sein. Aber nun habe ich es bereits geschrieben, also ist es jetzt zu spät. Und die „Jüdische Rundschau“ wollte es drucken.

A dank!

David Serebrianik

(Zuerst veröffentlicht auf tapferimnirgendwo.com)

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