Was der europäische Antisemitismus und ein amerikanischer Campus gemeinsam haben 

Von Daniel Greenfield

Österreich
Burkay S., ein arbeitsloser muslimischer Türke mit einem fleckigen weißen „Miami Beach“-T-Shirt, griff (19. Juli 2018) drei jüdische Menschen in Wien (Österreich) an.
In der gleichen Stadt warfen an einem anderen ganz normalen Tag (29. August 1981) muslimische Terroristen während einer Bar-Mitzwa-Feier Granaten in eine Synagoge ermordeten eine Frau, die sie auf die Granate warf, um ihre Kinder zu retten.
Letztes Jahr verzeichnete Österreich 503 antisemitische Übergriffe.
Das ist besonders beeindruckend, wenn man sich überlegt, dass im Land rund 9.000 Juden leben. Einer von achtzehn Juden wurde in Österreich Opfer von Antisemitismus.
Im selben Jahr hat Deutschland 1.453 antisemitische Übergriffe verzeichnet, die rund 100.000 Juden betreffen.

Deutschland
In Bonn wurde ein jüdischer Professor aus Baltimore von einem Moslem überfallen, der „Keine Juden in Deutschland!“ brüllte. Als die Polizei an den Tatort kam, hat sie den Professor angegriffen. Es gab einen Protestmarsch. Ein Angriff eines syrischen muslimischen Flüchtlings in Berlin, der auf Band aufgenommen wurde, führte zu einem weiteren Protestmarsch und eine milde Strafe für den Täter. Zehn Syrer haben einen Mann mit einem Davidsstern angegriffen, wobei sie antisemitischer Parolen grölten. Ein jüdischer Teenager wurde in einer Berliner Bahnstation angegriffen. „Ich schneide dir die Kehle auf, du Scheißjude.“
Eine Statistik von antisemitischen Übergriffen zeigt, dass 2017 die Übergriffe auf Juden um 60 % gestiegen sind.

In England gab es 1.382 Übergriffe bei 263.346 Juden. In Italien gab es 109 Übergriffe bei 28.000 Juden. In Holland 113 Angriffe auf 29.900 Juden.

Österreichs extrem hoher Anteil von Antisemitismus (im Vergleich zur Größe der jüdischen Bevölkerung) ist weniger eine Statistik als eine Warnung. Die Anzahl der antisemitischen Übergriffe können eine umgekehrte Beziehung zur jüdischen Bevölkerung eines Landes haben. Oder eines Teils eines Landes.

Gegen die große Mehrheit von britischen im Großraum London lebenden Juden, wurden 773 antisemitische Angriffe und 261 Übergriffe in Manchester verzeichnet, wo hingegen nur 30.000 Juden leben. Manchester hat eine proportional größere muslimische Bevölkerung und eine kleinere jüdische. Obwohl eine kleinere jüdische Bevölkerung antisemitische Angriffe durch Moslems komplizierter macht, macht die geringe Größe die jüdische Gemeinde auch verwundbarer.

Diese Statistiken zeigen, dass die Kombination von einer hohen muslimischen Bevölkerung und einer kleinen jüdischen Bevölkerung den größten Risikofaktor für antisemitische Angriffe bedeutet. Eine größere jüdische Bevölkerung bietet mehr Gelegenheiten für gewalttätige Angriffe, wobei eine kleinere jüdische Bevölkerung Unruhestifter dazu zwingt, sich im Internet zu formieren, beziehungsweise ihre Angriffe auf Vandalismus zu beschränken.

In den Vereinigten Staaten sind antisemitische Übergriffe insgesamt um 43 % angestiegen, wobei gewalttätige Angriffe um 47 % zurückgegangen sind. Insgesamt wurden in den USA 19 antisemitische Übergriffe verzeichnet. Und das in einem Land, wo die jüdische Bevölkerung 4-5 Millionen Personen beträgt! Die größten jüdischen Bevölkerungszentren in Europa erleben im Vergleich vier- bis fünfmal so viele gewalttätige Übergriffe, obwohl sie im Vergleich zur den jüdischen „Ballungszentren“ in Amerika sehr klein sind.

Was ist die Ursache dieser grundlegenden Unterschiede zwischen den Vereinigten Staaten und Europa? Der jüdische Bevölkerungsanteil ist weniger verstädtert in den Vereinigten Staaten als in einigen Teilen Europas. (Obwohl ein ziemlich großer Anteil immer noch in der New Yorker Region geballt ist). Ein Resultat ist, dass es viel weniger Kontakt zwischen der jüdischen und der muslimischen Bevölkerung in den USA im Vergleich zu England oder Frankreich gibt. Und – das ist das wichtigste – es gibt wenig Interesse daran, muslimischen Antisemitismus zu vertuschen oder öffentlich gutzuheißen.

Ein Ort, an dem das nicht der Fall ist, ist ein College-Campus. Und die antisemitischen Übergriffe auf Universitätsgeländen haben sich in den letzten zwei Jahren verdoppelt. Tatsächlich wächst der Antisemitismus auf dem Universitätscampus schneller als in der amerikanischen Gesellschaft allgemein, was jüdische Organisationen und die Vertrete des Bildungssystems alarmieren sollte. Das Problem wird weitestgehend aus dem gleichen Grund ignoriert, aus dem es auch in Europa ignoriert wird.

Es gab 457 antisemitische Übergriffe an Schulen und College-Campussen im Jahr 2017. Das macht ein Viertel aller antisemitischen Angriffe in Amerika aus. Ansteigende antisemitische Übergriffe auf Campussen macht mehr als ein Viertel der Zunahme die antisemitischen Übergriffe des Jahres 2017 aus – und zwar landesweit.

Extremisten blühen an modernen Universitäts-Campussen auf. Belästigungen von jüdischen Studenten durch Hassgruppen wie die „Studenten für Gerechtigkeit in Palästina“ werden oft durch ihre Alliierten im linken Spektrum des Campus gedeckt. Debatten darüber, ob Angriffe auf jüdische Einrichtungen, Kulturereignisse, Holocaust-Erinnerungsfeiern und einzelne Studenten antisemitischer oder antizionistischer Natur sind, verschleiern das Problem. Dies sind die gleichen Zustände wie diejenigen in Europa, wo der Antisemitismus albtraumhaft wiedergeboren wird.

US-amerikanische Campusse ähneln Europa mehr als sie Amerika ähneln. Wie europäische Länder haben Campusse links-gerichtete Administrationen, die durch politische Korrektheit regiert werden und die Rechte des Individuums ignorieren. Wenn die wachsende muslimische Bevölkerung mit der großen jüdischen Studentenschaft zusammentrifft, dann ist das Resultat viel öfter dem ähnlich, was europäische Juden erleben, als das, was amerikanische Juden gewohnt sind.

Der Campus ist der Kanarienvogel im Kohlenbergwerk. Dort erleben amerikanische Juden einen europäischen Stil des Antisemitismus, wo die Autoritäten Komplizen der Belästigung durch eine wachsende muslimische Bevölkerung sind und ihre linken Verbündeten die jüdischen Studenten besonders verwundbar machen.

Amerikanischer Antisemitismus verbreitet sich wie ein Waldbrand auf dem Campus, aber er wird nicht dort bleiben. Schulen und College-Campusse sind Orte, an denen neue Generationen lernen, was es bedeutet, ein erwachsenes Mitglied der Gesellschaft zu sein. Die Toleranz für Campus-Antisemitismus wird keine Anomalie bleiben. Eine ganze Genration von Studenten wird diese Haltungen in ihre Arbeitsplätze mitnehmen, in die Regierung und in den privaten Sektor hineintragen.
Die Verwalter, Manager, gewählten Beamten, Richter und Denker von morgen werden auf den Campussen von heute gebildet. Ihre Erfahrung wird das Leben von uns allen in den kommenden Jahrzehnten beeinflussen. Eine Campus-Umwelt, die Antisemitismus normalisiert, wird das Leben amerikanischer Juden in Europa verwandeln.

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