Die kaum bekannte, „politisch unkorrekte“ Rede des Abd al-Fattah as-Sisi
  

  • Februar 7, 2019 – 2 Adar I 5779
  • Welt
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Von Helios Alexandrijsky

Vom 3. bis 6. November 2018 fand in Scharm El-Scheich (Ägypten) das Weltjugendforum statt. Auf einer der Sitzungen stellte sich Ägyptens Präsident Abdel Fattah As-Sisi den Fragen der Teilnehmer. Nachfolgend präsentieren wir seine Antwort auf eine Frage bezüglich der Migration.

„Diese Frage bekomme ich von Mohammed Kassim. Der junge Afghane möchte wissen, warum die Staats- und Regierungschefs der Welt die Türen ihrer Länder vor der Einwanderung schließen​.

Ich habe nicht die Absicht, diese Angelegenheit ausführlich zu erläutern. Jeder Staat hat das Recht, seine Bevölkerung zu schützen und sich um seine Interessen zu kümmern. Selbstverständlich sollten dabei die Menschenrechte im Allgemeinen respektiert werden, allerdings im Rahmen dessen, was dem Staat erlaubt, seine nationalen Interessen zu verteidigen.

Erlauben Sie mir, Ihnen Folgendes zu sagen: Anstatt zu fragen, warum diese Länder ihre Türen schließen, fragen Sie sich bitte, warum sich die Afghanen in Afghanistan nicht um das Schicksal ihres Landes kümmern. Warum kämpfen sie bereits seit 40 Jahren, töten sich gegenseitig und zerstören dabei ihr eigenes Land? Diese Frage stellt sich auch im Zusammenhang mit anderen Ländern wie Pakistan... aber auch bezüglich Ägypten. Ebenfalls ist sie in Bezug auf Syrien, Irak, Libyen, Jemen und Somalia berechtigt. Warum verhalten wir uns so?

Wir zerreißen uns in unseren eigenen Ländern und bitten danach andere Staaten – wo Tag und Nacht geschuftet wird, und wo stets danach gestrebt wird, die eigenen Errungenschaften zu erhalten, die eigene Bevölkerung zu schützen, die Lebensqualität und das Entwicklungsniveau zu halten –, ja, wir bitten sie, die Früchte ihres Tuns mit uns zu teilen, bloß weil wir uns bekriegen! Also, bitte! Beachten Sie, dass ich weder für noch gegen Sie bin, ich versuche lediglich, diese Angelegenheit objektiv und integer zu betrachten. Es ist notwendig, dass wir uns selbst kritisieren. Verteidigen wir etwa unsere Staaten? Sind die Anführer der Staaten, von denen ich spreche (muslimische Staaten, - Anm. der Red.), nicht verpflichtet, gerechter, respektvoller und aufmerksamer ihrem Volk gegenüber zu sein? Sind sie nicht verpflichtet, Zugeständnisse zu machen, sich an den Verhandlungstisch zu setzen und ihre Probleme zu lösen – sei es in Afghanistan, Syrien, Irak oder Libyen? Warum tun sie das dann nicht?

Sie sind erbost darüber, dass die Staats- und Regierungschefs der europäischen Staaten wie England, Deutschland, Italien oder sonst irgendein anderes Land ihre Grenzen schließen, um die Früchte der langjährigen harten Arbeit und der Bemühungen im Aufbau einer modernen Gesellschaft zu schützen! Wir bitten sie, ihre Türen für uns zu öffnen, und wollen dabei ihnen unsere Kultur aufzwingen, obwohl sie von ihrer eigenen meilenweit entfernt ist – besonders, was Arbeit und Fleiß anbelangt. Unsere Arbeitskultur unterscheidet sich von ihrer: Sie befolgen eine strenge Ethik, sie lehnen sämtliche Privilegien wie auch Nachlässigkeit in der Arbeit oder im Lernen ab, wohingegen bei uns Sonderrechte und Selbstgefälligkeit akzeptiert, mehr noch, nicht selten gang und gäbe sind.

Sie beabsichtigen, anderen ihre Kultur aufzuzwingen? Ich möchte niemanden beleidigen, formuliere es aber so: Als Einwanderer bringe ich meine ägyptische Kultur mit – und hätte gerne alles, ohne etwas dafür zu tun. Ist es nicht so, wie wir uns verhalten?

Hochrangige Persönlichkeiten stellten mir die Frage, warum wir so unproduktiv wären. Ich sagte ihnen, dass wir unsere eigenen Wege und Gepflogenheiten haben, welche unserem Wesen entsprechen; sie zu ändern, ohne dadurch Zusammenstöße und Unruhen zu provozieren, ist undenkbar.
Wollen Sie mit Ihrer Kultur auswandern, die für Sie unanfechtbar ist? Sie wollen diese anderen mit dem Aushängeschild „Menschenrecht“ aufdrängen? Nein! Und, übrigens, wenn Sie in ein Land reisen, das Sie freundlich und bereitwillig empfängt, sollten Sie seine Gesetze, Bräuche, Traditionen, seine Kultur bedingungslos achten. Aber nein: Sie denken nicht daran; in Wirklichkeit sind wir zu solcher Denkweise nicht mal fähig, also sollten wir es unterlassen, dorthin zu gehen. Sie wollen, dass man Ihnen die Tür öffnet, damit Sie hereinkommen und dann Probleme bereiten? Nein!

Ich verteidige sie nicht, Gott bewahre! Ich kann lediglich meine Meinung über die Ereignisse äußern, welche ich beobachte und wie ich sie verstehe. Es ist doch nicht möglich: Seit mehr als 40 Jahren tötet Ihr euch gegenseitig und wollt, dass ich Euch hereinlasse? Nein! Mögt Ihr Eure Probleme lösen? Löst sie in Euren eigenen Ländern! Deshalb sage ich zu Ägyptern:
‚Kümmert euch um euer Land!‘ Das ist mein Appel. Anstatt andere zu bitten, uns ihre Türen zu öffnen, schauen wir darauf, dass wir genug Land haben, und das haben wir in der Tat. Ägypten hat genug Platz für alle Ägypter; wir müssen es vermeiden, uns gegenseitig zu bekämpfen und dadurch alles zu zerstören. Denn junge Menschen werden sonst das Land verlassen und woanders hinziehen, und das ist nicht zu tolerieren!

Wir müssen uns intensiv mit unseren Problemen auseinandersetzen, dem Blutvergießen in unseren Ländern ein Ende setzen, unsere Beziehungen ehrlich und transparent führen und den Dialog fördern. Ich bin nicht gegen die Auswanderung. Denjenigen, die ihre Tür öffnen, sage ich: „Danke, wir wissen Eure Geste zu schätzen“. Was aber diejenigen betrifft, die ihre Tür vor uns schließen, so müssen wir einsehen: Es gibt niemanden, dem wir hätten Vorwürfe machen können, außer uns selbst.“

Vom Übersetzer des englischen Textes:
Ich habe bereits die Wut der Globalisten vor Augen und höre das Zähneknirschen der Islamophilen, die Einwanderung befürworten. Tatsächlich hat Präsident As-Sisi ihnen buchstäblich den Teppich unter den Füßen weggezogen, indem er alle ihre ideologischen Konstruktionen zerstört hat. As-Sisi ist ein echter Ägypter, ein Nationalist, der sein Land liebt und es zu einer Sache des Stolzes machen will. Seine tiefe Zuneigung zu seinem Heimatland macht ihn immun gegenüber der Idee, den Westen zu erobern, um den Islam und die Scharia zu verbreiten. Er hält an einer Maxime fest: „Wäre ich kein Ägypter, würde ich gerne einer werden“. Diese Formel, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelt wurde, steht nah zu der Aussage von Henri de Borniers, dass jeder Mensch zwei Heimatländer hat – sein eigenes Land und Frankreich.

Als überzeugter Nationalist versteht As-Sisi die nationalistischen Tendenzen der Europäer. Trotz seines Glaubens hält er es für inakzeptabel, ein islamisches trojanisches Pferd in die Aufnahmeländer zu schicken. Seine Intuition als Politiker lässt ihn hoffen, dass die Völker Europas ihre Kultur als Garantie für ihren Erfolg und ihr Überleben bewahren. All die radikalen Veränderungen, die durch die muslimische Einwanderung nach Europa verursacht wurden, betrachtet er kritisch. Sollte Europa infolge von Gewalt zusammenbrechen, wie es im Nahen Osten der Fall ist, wird auch Ägypten kurz vor dem Niedergang der Zivilisation stehen. Ohne Sauerstoff, der durch die westliche Zivilisation geliefert wird, wird Ägypten am Islam ersticken.

Wenn man darüber nachdenkt, liebt As-Sisi Frankreich sicherlich mehr als Macron, so wie er auch Deutschland mehr liebt als Merkel, und wahrscheinlich Kanada mehr als dies Trudeau tut. Er will, dass Frankreich Frankreich bleibt, Deutschland Deutschland, Italien Italien und Kanada Kanada. Er will, dass der Westen aufhört, die islamische Schlange an seinem Busen zu nähren. Er weiß, wie gefährlich ihr Gift ist: Ägypten erlebt es tagtäglich.

Doch die Botschaft von As-Sisi an das Forum junger Muslime richtet sich auch an die Völker des Westens. Der ägyptische Präsident sagt uns, dass wir verpflichtet sind, unsere Kultur, unsere Werte und unsere Lebensweise zu bewahren, und wir müssen von den Einwanderern verlangen, dass sie unsere Gesetze, unsere Werte, unsere Traditionen und Bräuche, unsere Kultur uneingeschränkt respektieren. As-Sisi glaubt nicht an die Chimäre des Rassismus und der Islamophobie, er weiß aus eigener Erfahrung, dass der Islam gefährlich ist und dass die Verteidigung gegen ihn weitsichtig ist.

Last but not least: Vor Kurzem erwähnte As-Sisi in einem Interview mit CBS News, dass das Niveau der Kooperation seines Landes mit Israel beispiellose Ausmaße erreicht; in erster Linie war der gemeinsame Kampf gegen den Terrorismus des Islamischen Staates auf der Sinai-Halbinsel gemeint. Auf die Frage, ob die Zusammenarbeit mit den Israelis als „eng wie nie zuvor“ bezeichnet werden könne, sagte As-Sisi: „Ja, das ist richtig, wir kooperieren mit Israel in einem breiten Spektrum von Bereichen“.

Übersetzung: Miriam Argeman (Translarium.info) und Irina Korotkina

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