Januar 4, 2016 – 23 Tevet 5776
Ägypten flutet Gaza-Grenze

image

Dank der Grenzflutungsmaßnahmen könnten Hamas' Waffenströme bald versiegen  

  • Januar 4, 2016 – 23 Tevet 5776
  • Israel
  • 3736 mal gelesen

Von Ulrich Jakov Becker

 
„Nach weiteren Anschlägen der Hamas hatte Israel im September bekannt gegeben, dass es eine weitere, 1,5 km breite Sicherheitszone zum Gasastreifen einrichten wird, um die Schmuggel- und Terrortunnel großflächig zu bekämpfen und zu vernichten, und setzte dies sofort in die Tat um:
Binnen 48 Stunden mussten zwischen 600 und 800 Häuser in Grenznähe geräumt werden. Tausende Araber wurde obdachlos. Wer sich weigerte, wurde gewaltsam von seinem rechtmäßigen Grundstück vertrieben und enteignet und musste zusätzlich mit Strafverfolgung rechnen. Israel bietet eine gewisse Entschädigung für alle diejenigen, die durch die Einrichtung der neuen Sicherheitszone ihre Häuser verloren haben, sofern auf ihren Grundstücken keine Tunneleingänge gefunden wurden.

Wochenlang wurden dann die verlassenen Häuser, manchmal ganze Blöcke gesprengt, von Panzern zerschossen und mit Bulldozern geräumt, und dann eine Art flacher Kanal in der sandingen Landschaft zurechtgeschoben, den die israelischen Sicherheitskräfte seitdem immer mal wieder mit Meerwasser vollpumpen.
Dies führt offenbar zum Einsturz des Großteils der hunderten unterirdischen Schmugglertunnel und dem lokalen Absacken der Landschaft, während der Hamas eine wichtige Versorgungsroute wegbrechen könnte.
Wasserexperten warnen vor der Versalzung der Ackerböden und lokaler Brunnen, was zum Einbruch der Landwirtschaft und der Unbrauchbarkeit des Trinkwassers für Hundertausende führen könnte. Auch werden durch die Kanäle mit ihrem flachem, stehenden Wasser große Wellen von Mücken und von ihnen übertragenden Krankheiten erwartet. Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri fügt dem noch hinzu, dass Wohnhäuser auf beiden Seiten der Grenze einstürzen könnten.“
 
Wenn man das liest, sollte klar sein, dass dies nicht stimmen kann. Denn wenn Israel dies wirklich so durchgeführt hätte, würde es hier nicht als erstes stehen – sondern es wüsste bereits die ganze Welt. Es wäre in jeder Nachrichtensendung und die politischen Drohungen, Verurteilungen, Demonstrationen, Boykottaufrufe etc. wären überall, besonders von Seiten der UN, USA, der EU usw.. Aber alles, was hier steht, ist tatsächlich wahr und in den letzten Monaten passiert, nur muss das Wort „Israel“ durch das Wort „Ägypten“ ersetzt werden. Und schon interessiert es die internationale Gemeinschaft und Medien kaum. Wer hat davon gehört?
 
Tausende Hamas-Tunnel verschwinden im Schlamm?
Weitab vom Fokus der Weltöffentlichkeit hat das Militärregime Ägyptens unter Abdel Fatach El Sisi seit Sommer 2013 die Grenzregion zu Gasa langsam aber sicher planiert, und in den letzten Monaten auch mit dem Überschwemmen von Meerwassergräben ernstgemacht, die es 2014 angekündigt hatte, um die Terroraktivitäten an der Grenze zu Gasa effektiv zu unterbinden.

Ägypten hat in den letzten Jahren hunderte Soldaten in dem islamistischen Aufstand im Sinai verloren, welcher nachgewiesene Verbindungen nach Gasa hat.
Seit 2013 hat Ägypten an der Gasagrenze laut „Human Rights Watch“ mehr als 3.000 Häuser zerstört und mehr als 6 Quadratkilometer landwirtschaftliche Nutzfläche verödet. Seit September pumpt Ägypten Meerwasser in die neugeschaffenen flachen Gräben. Seit November wird aus dem Gasastreifen von großen Erdrutschen und Versalzungen berichtet.

Etwa 2.500 Tunnel soll es hier unter der Erde geben, manchmal hunderte Meter lang und viele Meter tief. In den Hochzeiten arbeiteten hier Zehntausende in dem boomenden Schmuggeltunnel-Geschäft. Alles von Zigaretten, Waffen, Kleinvieh, Menschen bis zu ganzen Autos wurde durch die Tunnel geschleust. Die Abgaben, die man der Hamas für den Tunnelbetrieb zahlen musste, waren eine wichtige Einkommensquelle der Terrororganisation, die jetzt immer mehr wegbricht.
Und was die ägyptischen Armee-Ingenieure in den letzten Monaten und Wochen zu Gesicht bekommen, lässt sie nicht schlecht staunen. Man wusste bereits – nicht zuletzt durch die Hamas-Tunnel an der israelischen Grenze, die während der letzten Armeeoperation offengelegt wurden, dass es sich nicht nur um primitive Sandtunnel handelt, sondern diese oft mit Betonwänden ausgebaut sind und ausgefeilte Transport-, Lüftungs- und Elektrizitätsausstattungen zu bieten haben.

Aber die Überschwemmungs-Maßnahmen der Ägypter deckten gerade ein ganzes Tunnelsystem auf, dessen Tunnelwände aus 40 cm dickem Eisen bestanden und dessen 17 Tunnelarme in zehn Meter Tiefe bis zu 200 Meter in ägyptisches Territorium hineinreichten. Ein ungemein teures Bauprojekt. In Ägypten vermutet man, dass dieses Tunnelsystem sich noch im Bau befand, von der Hamas u.a. mit Geldern aus Katar finanziert wurde, und eine erste Tunnelbaureaktionen auf die ägyptischen Maßnahmen darstellen könnte.

Die Tunnelbauer schlafen nicht
Viele Tunnelbetreiber in Gasa beklagen, dass die ägyptischen Maßnahmen ihnen schwere Verluste zufügen und dass die Tunnel, die noch nicht abgesackt sind, täglich stundenlanges Schlammabschöpfen und Instandsetzung benötigen, um offen zu bleiben.
Israel seinerseits hat 2014 und 2015 den Warenverkehr mit Gasa bedeutend forciert – vielleicht mit Ägypten abgesprochen –, so dass die Preise vieler Waren in Gasa bedeutend fallen und das nicht-militärische Tunnelschmuggelgeschäft immer unrentabler wird – sowohl bei den erzielbaren Preisen der geschmuggelten Ware, als auch durch die Unterhaltungskosten von Tunneln.
So rechtlich fraglich die Maßnahmen der Ägypter zu sein scheinen, so effektiv scheinen sie auch zu sein und sich als schwerer Schlag gegen das Tunnelwesen an der Gasagrenze zu erweisen. (...)

Komplett zu lesen in der Druck- oder Onlineausgabe der Zeitung. Sie können die Zeitung „Jüdische Rundschau“ hier für 39 Euro im Papierform abonnieren oder hier ein Onlinezugang zu den 12 Ausgaben für 33 Euro kaufen.


Sie können auch diesen Artikel komplett lesen, wenn Sie die aktuelle Ausgabe der "Jüdischen Rundschau" hier online mit der Lieferung direkt an Sie per Post bestellen oder jetzt online für 3 Euro statt 3,70 Euro am Kiosk kaufen.

Brief an die Redaktion schreiben

Email This Page