Die El-Aksa-Moschee wurde zur Demütigung der jüdischen Gläubigen auf dem Tempelberg errichtet.  

Von Ulrich Jakov Becker

Wieder muslimische Unruhen auf dem Tempelberg. Wieder und wieder. Alle paar Jahre muslimische Unruhen auf dem Tempelberg.
Für einen Außenstehenden und rational denkenden Menschen mag die momentane Begründung der muslimischen Ausschreitungen vor und auf dem Tempelberg besonderes Unverständnis hervorrufen. Warum?

Drei muslimische Terroristen hatten sich ungestört „zum Beten“ auf den Tempelberg begeben und wurden nicht kontrolliert – Moslems unterliegen hier im Gegensatz zu Juden keinen Sicherheitschecks. Einer von ihnen hatte einen Rucksack voller Waffen auf dem Rücken, darunter Maschinenpistolen. Innerhalb der Moscheeanlagen auf dem Tempelberg – verborgen vor den Augen der israelischen Überwachungskameras draußen – übergab er den anderen beiden die Waffen, und diese zogen von da aus zu einem mörderischen Überraschungsangriff, dem zwei israelische Grenzsoldaten zum Opfer fielen. Die Terroristen konnten in dem folgenden Schussgefecht getötet werden, das sich bis auf den Tempelberg selbst hinzog.

Um zukünftig solche Anschläge zu verhindern, installierte Israel nach einigem Zögern und langen internen Beratungen eine Reihe von Metalldetektoren, wie es sie vor jedem israelischen Supermarkt und auch in Mekka, der heiligsten Stadt der Moslems, gibt.

Die moslemischen Massen waren nicht etwa schockiert oder peinlich berührt von dem Anschlag ihrer Glaubensbrüder, die ihre „heiligen Stätten“ und deren Status zynisch ausnutzten, sondern waren voller Wut über die neuen israelischen Sicherheitsmaßnahmen auf „ihrem“ Tempelberg – pardon, Haram Al Scharif.

Die Ausschreitungen nahmen weiter zu und kamen zu dem Punkt – zusammen mit starkem internationalem muslimischen und pro-muslimischen Druck – dass die israelische Regierung ihre Entscheidung zurücknahm, und die Metalldetektoren über Nacht wieder abbauen ließ.

Das israelische Einknicken zahlte sich nicht aus
Man werde lieber 150 Millionen Schekel teure „Smart Kameras“ installieren, um die Moslems nicht direkt zu kontrollieren. Israel arbeitete sowieso mit Jordanien an einem neuen gemeinsamen Kameraprojekt, um gerade diese immer wiederkehrenden hochsensiblen Reibungen zu vermeiden.
Infolge des israelischen Einknickens brachte der nächste Tag dann aber noch größere Ausschreitungen, einen weiteren „Tag der Wut“, wie Moslems diese Tage gerne nennen, während die islamischen Geistlichen alle Moslems in Jerusalem und Umgebung weiter dazu aufriefen, nicht zu Hause in ihrem Moscheen zu beten, sondern sich vor dem Eingang zum Tempelberg zu sammeln und demonstrativ nicht hochzugehen, sondern in den Straßen davor zu beten (und am Ende „spontane“ Ausschreitungen gegen die israelische Polizei zu entfachen) – aus Protest... Aus Protest wogegen? War man nicht auf ihre Forderungen eingegangen? Sollten sie jetzt nicht in Ruhe beten oder zu Hause bleiben?

Eine Radioreporterin vor Ort kommentierte auf die Frage „Was die Ausschreitenden denn wollen?“ „Es geht nicht um die Metalldetektoren oder Kameras, sondern darum, dass sie bestimmen wollen, was auf dem Berg passiert. Egal wo oder was.“

Die Juden lassen sich im Herzen ihres eigenen Landes demütigen
Wie ein Stachel steckt dieser innere Konflikt auf dem Tempelberg, im Zentrum der Hauptstadt und des Staates Israels, und reißt die selbe Wunde immer wieder auf. Hier liegt ein de facto exterritoriales Niemandsland. Eine autonome islamisch regierte Enklave, verwaltet durch die islamischen Geistlichen des Wakf, finanziert und gelenkt von Jordanien. Vor zehn Jahren gab es ein paar Dutzend von ihnen, die sich hauptsächlich um die Moslems kümmerten. Heute gibt es hunderte (Wie war das nochmal mit dem Status Quo?), die sich vornehmlich um die Juden kümmern:
Juden, die im heiligsten Zentrum des Judentums, den Ort zu dem sich jeder Jude im Gebet wendet, nur einen Psalm sprechen wollen, werden sofort harsch von den Wakf-Wachleuten angefahren – denn Juden ist das Beten hochheilig verboten, ja selbst das Lippenbewegen – und die israelische Polizei muss ihrem diskriminierenden Diktat Folge leisten, verwarnen, abführen oder gar verhaften. Juden ist das Beten hier verboten. Wo sind die liberalen israelischen Linken, die sich für universale Religionsfreiheit einsetzen?

Vernichtung jüdischer Spuren
Ungestört vernichten die semi-souveränen moslemischen Gebieter des Tempelbergs immer wieder uralte archäologische Kulturschätze, wenn sie gerade mit Bulldozern eine neue unterirdische Moschee oder Ähnliches einrichten. Die Creme de la Creme der israelischen und internationalen Archäologen können dann mit etwas Glück in den Müllhalden der Schuttlaster in Ostjerusalem mit feinen Sieben Artefakte der zwei alten Tempel ans Licht bringen. Wenn man nur bedenkt welche Fülle von Beweisen für zwei jüdische Tempel nur in dem Schutt gefunden wurden.

Immer wieder verschanzen sich Moslems auch in den Moscheeanlagen selbst. Auf den Gebetsteppichen in der Moschee liegen dann Haufen von Wurfsteinen neben den Betenden bereit. Die Ansicht, dass Moscheen neutrale Gebetshäuser seien, die nicht für politisch-militärische Zwecke genutzt werden sollen, ist wieder einmal der Wirklichkeit entrückte westliche Denkweise. Wenn der Dschihad heilig ist, warum sollte eine Moschee dann nicht sein Hauptquartier sein können?

Jeder Eintritt von israelischen Sicherheitskräften findet über eine veraltete Holzbrücke statt, die Israel nicht einmal reparieren oder erweitern darf, ohne dass es ein pan-islamisches, weltweites Politikum entfachen würde.

Kennen Sie den Unterschied zwischen Felsendom und El-Aksa-Moschee?
Die jungen Moslems in unseren Straßen, die dieser Tage Juden mit Messern abschlachten, haben „El Aksa ist Gefahr!” auf ihren Lippen und auf ihren Facebookseiten – eine Propagandakampagne, die sich nahtlos von Islamistenorganisationen über Fatah bis Hamas hinzieht und die Lüge verbreitet von einer unmittelbar bevorstehenden, geplanten jüdischen Vernichtung der El-Aksa-Moschee, welche nur mit ihrem Blut und ihrem Terror zu verhindern sei.

Die meisten von ihnen können nicht einmal die El Aksa Moschee von der goldenen Kuppel des Felsendoms unterscheiden, die sie gerne fälschlich ‘El Aksa Moschee’ nennen. Sieht halt besser aus, als die graue Kuppel der richtigen Moschee.

Doch wäre vielleicht alles ganz anders gekommen, wenn Israel zum Ende des Sechs-Tage-Krieges vollendete Tatsachen geschaffen hätte? Würde es heute jedes Mal fast einen Religionskrieg geben, wenn auf der Spitze des Felsendoms souverän die israelische Fahne keck im Wind wehen würde und nicht der Wakf, sondern der israelische Staat auf dem Tempelberg regieren würde? Oder wenn man dort gar den ursprünglichen jüdischen Tempel wiederaufgebaut hätte statt der kolonialen Moschee, die die Einheimischen demütigen sollte?

Der oberste Rabbiner der israelischen Armee, Rabbiner Goren, war im Juni 1967 einer der Ersten gewesen, die zur Klagemauer kamen – kurz nach dem halb biblischen Funkspruch des Fallschirmjägerbataillons „Der Tempelberg ist in unserer Hand“.

1967 konnten die Juden alles auf dem Tempelberg machen
Sofort ließ er die israelische Fahne auf dem Berg und dem Felsendom hissen, sprach Hymnen und Gebete, die die Befreiung der ewigen jüdischen Hauptstadt feierten und rief einen nationalen Feiertag aus (der jährliche Jerusalemtag). Und er ging mit Thorarollen und Schofar hoch zum Felsendom. Der Wakf gab keinen Mucks. Fünf arabische Armeen hatten gerade eine vernichtende Niederlage gegen den kleinen jüdischen Staat erlitten. Rav Goren gründete eine jüdische Religionsschule, eine Midrascha, auf dem Tempelberg, räumte angebaute Gebäude von der Klagemauer und bereite es für jüdische Besucher vor.

Nur wenige Tage nach Jerusalems Befreiung strömten 200.000 Juden (in dem kleinen Land von nur 2,8 Millionen Einwohnern) zum Tempelberg. Rabbi Goren bereite ein zeremonielles Massengebet oben auf dem Tempelberg vor.

Aber da griff Israels sozialistische Regierung – und allen voran der realsozialistische israelische Verteidigungsminister und Armeeheld Mosche Dajan – durch: Er untersagte das Gebet und zusammen mit der Regierung wies er an alle jüdischen Souveränitätssymbole vom Areal des Tempelbergs zu entfernen, einschließlich israelischer Flagge (die er hastig schon Stunden nach ihrem Hissen entfernen ließ), einem portablen Thoraschrein und der Midrascha, und übergab dann die Verwaltung des Tempelbergs offiziell an den Wakf, dem eine „religiöse Souveränität“ auf dem Berg zugesprochen wurde (anscheinend ohne zu verstehen, dass es im Islam keine Trennung von „religiös“ und „politisch“ gibt). Rabbi Goren war schockiert und schrieb u.a. einen langen Brief an die Regierungsgremien:

„Auserlesene Männer! Rettet das Allerheiligste des jüdischen Volkes; übergebt nicht den Tempelberg an die, die ihn besudeln…“

Und er schrieb später in einem Buch über diese Tage:

„Diese heiligen Orte sind nicht das Privateigentum des muslimischen Wakf, dessen Mitglieder [...] mit ihrer Hetze aus dem Inneren der Moscheen des Tempelberges zum Mord an Juden aufriefen. [...] Wenn sie den Tempelberg für Juden und Nichtjuden gesperrt hätten, hätte ich nichts gesagt, aber den Arabern dort alles zu erlauben und Juden sogar das Öffnen eines Psalmenbuchs zu verbieten…”

Die israelischen Sozialisten waren gegen jüdische Religiosität
Er schaffte es aber nur mit Mühe und einem schweren politischen Kampf gegen Dajans Absichten, wenigstens die Mughrabi-Brücke, die vom Platz der Klagemauer zum Tempelbergplateau hochführt, unter der Aufsicht der israelischen Militärpolizei zu halten. Die links-sozialistische Regierung hatte einen harten und schnellen Riegel jeglicher jüdisch-religiöser Selbstbestimmung oder Souveränität auf dem Tempelberg vorgeschoben – mit Hilfe des damals kleinen und kleinlauten islamischen Wakf.

Nicht zuletzt diese selbstauferlegte jüdische Abwesenheit vom Tempelberg und die nur zu bereitwillige Preisgabe dieser damals wohl zu heißen Religionskartoffel durch die unvorbereiteten zionistischen Sozialisten, die noch damit zu tun hatten ihren unerwarteten militärischen Sieg biblischen Ausmaßes zu verdauen und mit all den neu eroberten Territorien – vor ein paar Wochen redeten man noch über Plätze für Massengräber und jetzt...

Jerusalem kommt im Koran nicht vor
Dabei ist der islamische Anspruch auf den Tempelberg sehr schwach. Ein israelischer Islamwissenschaftler der Bar-Ilan-Universität, Dr. Mordechai Kedar, machte das, was israelische Regierungssprecher sich normalerweise nicht trauen:
Er setzte sich ohne wenn und aber live auf El Dschasira für den klar jüdischen Anspruch auf Jerusalem ein. „Wir waren hier, als eure Vorväter noch Wein tranken, ihre Töchter lebendig begruben und Götzen dienten [...] Es war unsere Stadt für 3.000 Jahre und wird es für alle Ewigkeit bleiben. Punkt.” Der sichtlich verwirrte und erschütterte El Dschasira-Moderator – selbst ein Moslembruder – darauf: „Du kannst Jerusalem nicht aus dem Koran rauslöschen!” Dr. Kedar: „Mein Bruder, Jerusalem kommt im Koran nicht vor! Nicht ein einziges Mal!” Daraufhin war er baff, sprachlos (weil es stimmt) und wechselte das Thema. Später holte er ein Zitat von „El Aksa“ aus dem Koran hervor.
Tatsächlich gibt es dort eine Moschee namens „El Aksa“ („Die Äußerste / die Entfernte“), die zwischen Mekka und Medina lag und im 7. Jahrhundert in einer eigens angefertigten Hadith (muslimische mündliche Überlieferung) als Jerusalem umgedeutet wurde.

Ist nicht Nadschaf im Iran die drittheiligste Stadt des Islams?
Jedes Schulkind in Deutschland kann davon berichten, dass Jerusalem die „drittheiligste Stadt im Islam“ ist. Aber ist sie das wirklich?
Fragt mal einen Schiiten. Er wird einem sagen: „Nein, das ist Nadschaf im Irak”. Die Schia hat keine Hadith für Jerusalem kreiert (und sieht alle sunnitischen Hadithen als Fälschungen an – was auf Gegenseitigkeit beruht) und damit ist Jerusalem für die klassische Schia theologisch unbedeutend – eine ganz normale, für den Islam nicht heilige Stadt. Dass nach der iranischen Revolution und dem antiisraelischen Eifer dort auch ein paar neue politisch-theologische Akzente gesetzt wurden, ist eine andere Sache.

Bei den Sunniten gibt es ebenfalls viele, die Jerusalem keinen islamischen Status beimessen.
Der zweite Kalif Omar eroberte Jerusalem und warnte beim Betreten des Tempelbergs seinen konvertierten, jüdischen Berater und Vertrauten Mohammeds, doch schnell wieder seine Schuhe anzuziehen, denn dies sei – im Gegensatz zu der Ansicht der Juden – kein heiliger Ort für Moslems. Nach diesem Kalifen ist die Omar-Moschee – oder heute „El Aksa“ – im Süden des Tempelbergs benannt.

Beleuchtet man die Umstände genau, wird abermals der politische Hintergrund für diesen theologischen Schachzug klar: Es gab genau 10 Jahre im 7. Jahrhundert, während der die Moslems im Süden des gerade erst zusammeneroberten islamischen Großreichs den Moslems aus dem Norden den Zugang zu Mekka und zur jährlichen Wahlfahrt, der Hadsch, verwehrten.

Die Machthaber im Norden, deren Armeen gerade von Marokko bis Indien verstreut waren, beschlossen daraufhin Jerusalem als Ersatz für Mekka auszubauen, errichten einen achteckigen Bau, der – wie die Kaaba in Mekka – umrundet werden musste, und nannten diese Sündenerlasspilgerfahrt genau wie das Vorbild: „Hadsch“. Ein paar Jahre später wurde der widerspenstige Machthaber von Mekka besiegt, geköpft und gekreuzigt und Mekka war wieder offen für ihre Hadsch. Jerusalem verlor an Wichtigkeit.
Ein späterer islamischer Führer widerrief selbst die Hadithen und den besonderen Status Jerusalems und verbat die Pseudo-Hadsch nach Jerusalem.

Die Araber leugnen die jüdische Geschichte
Jerusalem wurde von den islamischen Machthabern dann bis ins 19. Jahrhundert weiter dem Verfall überlassen (und war auch nie die Hauptstadt irgendeines islamischen oder arabischen Landes!). Erst mit der vermehrten Rückkehr der Juden und ihrer zunehmenden Präsenz und Interesse an ihrer jahrtausendealten theologischen und nationalen Hauptstadt, sprang auch die islamische politisch-theologische Propagandamaschine langsam wieder an. Das geht heute soweit, dass sie gar die historische Existenz eines jüdischen Tempels an diesem Ort schier leugnet.

Selbst der ehemalige Mufti von Jerusalem und Hitler-Verbündeter, Al Husseini, schrieb in den 1920ern noch, dass „die Identität [des heutigen Tempelberges] mit dem Ort von Salomons Tempel steht außer Zweifel. Dies ist auch der Ort, wo nach allgemein anerkanntem Glauben, David einen Altar baute...”
Es ist ihnen dabei auch ganz egal, dass der Name für Jerusalem im klassischen Arabischen „Beth Al Mikdas” lautet – „Beth HaMikdasch“, der heilige Tempel. „Al Kuds“, wie sie es heute nennen – „Die Heilige“ – ist eine moderne Erfindung.

Dr. Kedar fasst die heutige Haltung des Islams zu Jerusalem so zusammen: Die Rückkehr der Juden in ihren souveränen Nationalstaat in einem ehemals islamisch eroberten Territorium ist eine kolossale theologische Herausforderung und Erniedrigung für den Islam. Kein wirtschaftlicher, nationaler Grund, keine etwaigen Friedensschlüsse etc. können diesen mehr oder weniger offenen theologischen zwanghaften Kriegszustand des Islams gegenüber dem souveränen jüdischen Staat beschwichtigen, außer durch die Vernichtung des jüdischen Staates und die Wiederherstellung der islamischen Herrschaft, die nur so beweisen kann, dass sie die wahre Religion ist und alle anderen – vor allem Christentum und Judentum – ablöst.

Andernfalls werden die bereits im Koran gefürchteten Stimmen lauter, der Islam sei nur ein Abklatsch von Judentum und Christentum. Deswegen interessieren die wütenden, agitierten Moslems auf dem Tempelberg sich nicht wirklich für Metalldetektoren und nicht wirklich für Kameras, sondern dass es ihr Berg ist, das sie das Sagen haben, dass der Islam herrscht und kein Zweifel aufkommt, dass er doch nicht die Endzeitreligion ist.

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