Die kenianische Einwanderin ist stolz auf ihre neue Heimat  

Von Stefan Frank

Die 29-jährige, aus Kenia stammende Israelin Lonah Chemtai Salpeter gewann am 8. August in Berlin bei der Europameisterschaft den 10.000-Meter-Lauf der Damen und holte so Israels erste Goldmedaille bei einer Leichtathletik-EM. Mit ihrer Zeit von 31 Minuten und 43,29 Sekunden lag sie volle neun Sekunden vor der Zweitplatzierten Susan Krumins aus den Niederlanden. „Das ist wirklich eine Ehre für mein Land, eine Ehre für meine Familie und eine Ehre für mich selbst und meine Arbeit“, sagte Salpeter nach dem Sieg. „Ich kann es immer noch nicht glauben. Ich bin sehr glücklich. Ich habe davon geträumt, aber nicht geglaubt, dass es passieren würde.“ Von Gefühlen überwältigt hüllte sich Salpeter nach dem Sieg in eine große israelische Fahne.

Überschattet wurde das Turnier für sie von einem Fehler, der ihr wenige Tage später beim 5.000-Meter-Lauf passierte, zu dem sie ebenfalls antrat: Kurz vor der letzten Runde lag sie in diesem Rennen auf Platz zwei; da sie sich offenbar verzählt hatte, dachte sie, das Ziel schon erreicht zu haben, obwohl die Glocke – die sie offenbar ebenfalls nicht gehört hatte – gerade erst die letzte Runde einläutete. Salpeter lief noch einmal los, konnte aber das Spitzentrio nicht mehr einholen und landete lediglich auf Platz vier. Wie die Webseite „Times of Israel“ schreibt, wäre sie allerdings nach dem Rennen ohnehin disqualifiziert worden, da sie eine Linie zu früh überschritten hatte. Das wussten zu diesem Zeitpunkt aber die Zuschauer und Kommentatoren nicht, von denen viele entsetzt auf Salpeters vorzeitigen Stopp reagierten. „Es ist passiert, beim nächsten Mal muss ich smart sein“, sagte Salpeter nach dem misslungenen Rennen. Nun bereitet sie sich auf die Leichtathletikweltmeisterschaften statt, die 2019 in Doha, Katar, stattfinden werden.

Wie kam Lonah nach Israel?
Wie „Times of Israel“ schreibt, hatte Lonah jahrelang um die israelische Staatsbürgerschaft kämpfen müssen. Ursprünglich war sie 2008 nach Israel gekommen, um als Kindermädchen für einen kenianischen Diplomaten zu arbeiten. Die begeisterte Läuferin wurde dem israelischen Trainer Dan Salpeter vorgestellt, bald verliebten sich die beiden ineinander.

Als Lonahs Job zu Ende war, musste sie nach Kenia zurückkehren. Dort heiratete das Paar, das mittlerweile einen kleinen Sohn hat. Ihr Antrag auf eine Aufenthaltsgenehmigung wurde allerdings mehrmals abgelehnt. „Sie haben sie in den Interviews nicht verstanden“, sagte ihr Ehemann damals. „Sie spricht Englisch mit einem gewissen Akzent und sie haben entschieden, sie nicht zu verstehen.“ Lonah Salpeters Fall fand in Israel große Beachtung, als sie im Februar 2016 den Tel-Aviv-Marathon gewann und mit 2 Stunden, 40 Minuten und 16 Sekunden als einzige Läuferin die Qualifikationszeit für die Olympischen Spiele brach. Erst dann bekam sie die nötigen Dokumente, um in Rio de Janeiro für Israel antreten zu können. Verhindert wurde sie damals durch eine Schulterverletzung.

Kenias langjähriger Botschafter in Israel, Augostino Njoroge, unterstützte sie bei den Bemühungen um die israelische Staatsbürgerschaft. Dem israelischen „Kanal 10“ sagte er, Kenia habe viele Marathonläuferinnen; er sei froh, wenn Salpeter für Israel antrete. „Kenia und Israel sind so gute Freunde. Wir können euch nicht die Medaille überreichen, aber wir können euch jemanden geben, der die Medaille gewinnt. Dazu sind gute Freunde da.“


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