August 4, 2017 – 12 Av 5777
Jüdische Frauen im Ersten Weltkrieg

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Zur Erinnerung an Paula Glück, Juliane Herrmann, Helene Meyer und Johanna Nathan  

Von Dr. Nikoline Hansen

In der Reihe „Jüdische Miniaturen“ versuchen die Diplom-Archivarin Sabine Hank und der Diplom-Historiker Uwe Hank das Leben vier jüdischer Frauen, die sich im Ersten Weltkrieg in verschiedener Weise engagierten, anhand von Archivmaterial zu rekonstruieren. Dabei lässt sich feststellen: Die Quellenlage ist teilweise spärlich. Trotzdem ist es gelungen, die Besonderheiten des Engagements gerade jüdischer Frauen herauszuarbeiten, deren vielfältiges soziales Engagement die gesellschaftlichen Strukturen entscheidend stabilisierte, wie die Autoren in ihrem Vorwort bemerken: „An die Stelle der traditionellen jüdischen Zedaka und bürgerlichen Privatwohltätigkeit trat nun Sozialarbeit mit dem Anspruch der Nachhaltigkeit, der Erziehung zur Selbsthilfe und der Vorbeugung von Not durch Gesundheitsvorsorge, Arbeitsbeschaffung und gesellschaftliche Reformen“.

Die Taufe als misslungener Rettungsversuch
Juliane Herrmann war im Ersten Weltkrieg als Krankenschwester tätig, später arbeitete sie als Stenotypistin und Kontoristin. Am 15. April 1921 kam ihre Tochter Erika in Berlin zur Welt – einen Vater gab es offiziell nicht, sie war also alleinerziehend. Interessant ist, dass die Familie versuchte ihrem Verfolgungsschicksal durch Taufe zu entgehen. Julianes Bruder Franz hatte sich bereits 1924 anlässlich seiner Eheschließung taufen lassen, sein Sohn Hans Dieter Herrmann aus erster Ehe überlebte als sogenannter Mischling ersten Grades. 1939 heiratete Franz offensichtlich noch einmal eine Jüdin. Die Eheleute und der gemeinsame Sohn Uri Helmut wurden deportiert und ermordet. Juliane Herrmann ließ sich 1939 evangelisch taufen. Trotzdem wurde sie im November 1941 deportiert und ermordet. Die anhand von Archivmaterialien recherchierte Biografie zeichnet einmal mehr die vorherrschenden antisemitischen Ressentiments auf und den misslungenen Versuch einer jüdischen Familie, sich durch Abkehr von der Religion in die deutsche Gesellschaft zu integrieren. (…)

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